Social Media in der Blogosphäre – Follow Friday

Ein Thema, welches mir schon länger auf den Fingerkuppen brennt, ist Soziale Medien und ich. Fiktive Welten stellte nun eine Frage im Rahmen des Follow Friday, welche mir die Gelegenheit gibt, dazu etwas zu schreiben.

Wie stehst du zu Social Media (Twitter, Instagram, Facebook, Youtube und Co.)?

Konkreter:

Wie seht ihr die Entwicklungen in der Blog-Coummunity – sind Social Media ein Muss, läuten sie sogar einen Wandel ein oder wünscht ihr euch euren Blog zurück in den Mittelpunkt?

Follow Friday Logo von Fiktive Welten

Als ich Facebook für mich entdeckte, war es eine einfache Sache. Man befreundete sich mit seinen Ausbildungskollegen oder den Typen, die immer im TS rum hingen. Sowieso mit seinen Freunden. Schlimm wurde es, als jeder es nutzte: Familie, Arbeitskollegen, Nachbarn, mein Bankberater. Das schlimme daran war, dass man Freundschaftseinladungen bekam, von Menschen, mit denen man nur zwei Sätze gewechselt hatte und das auch nur aus Höflichkeit (ich habe sicher auch derartige Anfragen verschickt 😉 ). Ich trenne strikt zwischen privaten und anderen Sachen, eine persönliche Einstellung, und so kann man sich vorstellen, dass ich wesentlich gehemmter war, etwas zu posten. Aber auch umgekehrt interessierte mich das private Leben fremder Menschen nicht. Die Lösung: Ein den AGB zuwider angelegter Fake Account. Die Welt war wieder für eine kurze Zeit in Ordnung. Dann aber schossen Firmenseiten aus den Boden und gefühlt jeder Milchkanne bekam eine Fanseite, mit ihnen kamen die Bettelbriefe für Likes und Shares, gleichzeitig bekam man Einladungen für Farmville und alle teilten nur noch ihre tollen Urlaubsfotos oder angeblich lustige und total abgefahrene Sachen. Irgendwann stellte Facebook seinen Algorithmus so um, dass man nix wichtiges mehr auf der Startseite hatte. Und ich war weg.

Facebook war DAS Soziale Medium. Es entwickelte sich zum Internet des Internets und hatte für Blogger ein hohes Potenzial. Für mich ist dieses Projekt aber gescheitert. Ich fühle mich dort eher als Konsument, der alles hypen soll, anstatt als User, der sich austauschen kann. Sicher gibt es gute und große Gruppen und Seiten, aber warum soll ich als kleiner Bloger dort meinen Content hinterlegen? Um ein Nettzwerk, welches mir ansonsten kaum noch Mehrwert bietet, mit Inhalt zu füllen? Eher nicht.

Google+ machte am Anfang einiges anders. Ich liebe Kreise und so war es nicht verwunderlich, dass ich auch G+ mochte. Ich fing dort aber ganz anders an. Ich legte einen Account mit meinem bisherigen FB Synonym an und kreiste nur Leute, später Zeitungen und Seiten, ein, von denen ich lesen wollte. G+ hatte den Vorteil, dass es kombiniert mit den anderen Google Diensten sehr nützlich war und ist. Anfangs fand ich es auch ziemlich gut, aber irgendwie verlor ich das Interesse.

Als Rollenspielblogger kann es dort sehr fruchtbar sein. Die RSP Community ist ziemlich groß, freundlich und offen. Man kann seine Beiträge teilen und erhält dort auch meist gutes Feedback. Aber was nützt es mir, wenn ich das Ambiente nicht mag. Zum einen, wie bei allen Netzwerken, verschwinden die Beiträge irgendwann ins Nirwana. Persönlich möchte ich meinen Blog dort auch nicht spiegeln, also verlinke ich meine Beiträge da und nehme kaum aktiv am Geschehen teil. Dass man dann auch wenig Resonanz erhält, ist klar. Warum ich trotzdem an G+ festhalte? Weil ich gerne die Beiträge und Empfehlungen anderer lese.

Retro Twitter Reklame von Moma Propaganda

Ich war nie wirklich glücklich, bis ich Twitter entdeckte. Ok, das ist jetzt übelstes Zitatenapping und so auch nicht wahr 🙂 . Die Idee hinter Twitter fand ich klasse. Mit dem Handy von unterwegs Nachrichten in die Welt schicken? Und auch die Welt aufs Handy holen? Leider funktionierte das nicht so wie gedacht. Ich schreibe nämlich von Handys, also die Dinger mit Tasten und einem kleinem schmutzig grünen Display. Damit zu twittern war nicht unbedingt cool. Bei mir scheiterte es regelmäßig. Übers Web zu zwitschern war ok, aber eben nicht das gleiche. Und das ist grade mal 10 Jahre her, also keine Geschichte, die vor dem Krieg spielt. Wer kennt noch den Wal? 😉

Anfangs habe ich Twitter nicht genutzt, um auf meinen Blog aufmerksam zu machen, sondern weil die Leute dort cool waren. Die Plattform wird nicht zu unrecht Mikroblogging Dienst genannt. Auch heute treiben sich dort viele rum, die keinen Blog betreiben, aber 140 Zeichen mit lustigen, nachdenklichen oder interessanten Inhalten füllen. Und viele Blogger nutzen das Netzwerk nicht nur, um andere Sachen zu teilen, sondern um ein Update zu machen. Die Mischung macht es so spannend. Man kann leicht mit anderen interagieren und kommunizieren.

Heute möchte ich mir Twitter gar nicht mehr wegdenken. Für Blogger hat es ein immenses Potenzial. Nicht jeder Gedanke ist gleich so klar, dass man daraus ein Blogbeitrag formulieren kann. In so einem Fall twittert man ihn und schaut, was andere davon halten. Man kann Fragen nach Anregungen oder Linktipps stellen und alles ist unverfänglich. Es gibt natürlich auch Nachteile. Die Timeline ist sehr vergesslich und mitunter entgeht einem einiges. Ich schätze aber, dass das in jedem Netzwerk passieren kann.

Bei allen Sozialen Medien sollte aber der Blog im Mittelpunkt stehen. Seien wir ehrlich, Facebook, G+ und Twitter bieten ihre Dienste nicht aus Freundlichkeit an, sie haben ein Interesse an unseren Daten, Inhalten und Konsumverhalten. Sofern sie Gewinne optimieren können, ändern sie AGB oder Richtlinien, was nicht verwerflich ist. Nur der eigene Blog ist wirklich unsere Plattform, die wir so gestallten können, wie wir es möchten. Ich glaube aber, dass die Blogger als interessierte Menschen wesentlich mehr von den Netzwerken profitiert haben, als es den Blogs geschadet hat. Es gab immer zu wenig Kommentare oder Feedback bei den meisten Blogs, dafür gab es immer gut aufgestellte A-Blogger, ein Begriff aus den Zeiten als ich angefangen habe 😉 . Eines meiner ersten Blogs wurde auf 20six gehostet, einer nicht mehr existierenden Blogcommunity wie twoday.net oder blogger.de, dort kommentierte man mehr oder weniger nur untereinander. Ob das eine bessere Welt war, weiß ich nicht.

Die Frage ist auch nicht, ob die Sozialen Medien einen Wandel einläuten, sondern wie man darauf reagiert. Instagram und Pinterest sind von heute auf morgen groß geworden und nicht mehr wegzudenken, studieVZ und Myspace sind innerhalb weniger Monate in die Bedeutungslosigkeit verschwunden. Wenn eines im Netz sicher ist, dann der Wandel. Eben dies spricht auch für den eigenen Blog. Wer möchte schon seine ganzen Rezensionen oder guten Gedankengänge im Safe der Titanic unterbringen? Oder sich ewig an den einen Ring binden?

5 Kommentare

  1. Das ist ein sehr cooler und sehr lebendiger Bericht, den ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Vor allem das Twitter-Retro-Poster gefällt mir gut! 🙂

  2. Ein wirklich toller und umfassender Beitrag! Da fallen mir die Worte „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ von Heraklit ein. Du hast den Nagel ganz einfach auf den Kopf getroffen!

    Liebe Grüße
    Patricia

    1. Merci! Aber das Thema war auch wirklich gut. Hatte schon länger vor, etwas darüber zu schreiben. Danke für den Follow Friday, der mir diese Gelegenheit gab 😉

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