Lovecraft – Gegen die Religion

H.P. Lovecraft – Gegen die Religion jmb-Verlag. ISBN 978-3-944342-94-8

H.P. Lovecrafts Gegen die Religion ist eine Übersetzung einer Sammlung von Briefen und Essays, die HPL zum Thema Religion verfasste. Herausgegeben wurde die 240 Seiten umfassende deutsche Ausgabe von Sebastian Bartoshek, Fabian Dombrowski sowie Stephanie Dreyfürst und erschien im August diesen Jahres beim jmb-Verlag.

Wesentlich größer als Lovecrafts fiktionales Werk ist seine Hinterlassenschaft an Briefen und Essays – eine Tatsache, die erst durch die Qualität dieser Texte Relevanz bekommen kann. Gegen die Religion könnte diesen Beweiß erbringen.

Das Buch besteht aus Briefen und Essays oder Auszügen dieser, die Lovecraft seinen zahlreichen Bekanntschaften schrieb oder in einigen Magazinen veröffentlichte. Die thematische -anstelle einer chronologischen- Gliederung der Schriften gefällt mir sehr. So geht es von persönlichen über allgemeine Gedanken zur Religion und dann Wissenschaft sowie Gesellschaft und Religion. Es liegt in der Natur der Sache einer Briefsammlung, dass es inhaltliche Überschneidungen gibt, HPL hatte seine Briefwechsel nicht nach dem Inhaltsverzeichnis eines, nach seinem Tod erscheinenden, Buches ausgerichtet. Was überall mitschwingt, ist die Kritik an Religion und die Verteidigung des Atheismus und des Materialismus. Letzteres schreckte mich persönlich anfangs auch ein wenig von der Lektüre ab. Ich kannte vor diesem Werk Lovecrafts grobe Meinung zum Theismus und stimmte damit grundsätzlich überein. Warum also Eulen nach Athen tragen, dachte ich? Weil Lovecraft im nicht-fiktionalen Teil seines Erbes besser formulierte. Das ist zumindest meine Meinung. Sein Verstand war scharf, er schrieb präzise und ohne übermäßigen Gebrauch von Adjektiven, wie man ihm mitunter vorhält. Es fällt mir als Leser leicht ihm zu folgen. Dabei war er am besten, wenn er für den Atheismus bzw. den Materialismus argumentierte. Hier arbeitete er die Erkenntnisse seiner Zeit ein, verwies auf andere Autoren und ging rein rational an die Dinge heran.

Allerdings schwingt die Tür dann zurück, wenn er gegen die Religion bzw. den Glauben schreibt:

Es gibt keinen natürlichen Hang zur Religion. […] Heute überlebt sie unter der weniger analytisch denkenden Bevölkerung nur, weil diese über weniger wissenschaftliches Faktenwissen verfügt und weil ihre emotionale Ausprägung fortwährend beeinflusst, ja verkrüppelt, wurde von der religiösen Propaganda, die ihnen in der Kindheit eingetrichtert wurde, bevor sie bevor ihr Verstand und ihre Gefühle sich über den kindlichen Zustand der hilflosen und unkritischen Aufnahmebereitschaft hinaus entwickeln konnten

Seite 60/61

und weiter

Die stumpfsinnige und verheerende Frömmigkeit und der Buchstabenglaube der Provinzevangelikalen können doch nur noch in intellektuellen rückständigen Gegenden wie Tennessee, Mississippi, Iowa etc. überleben […]

Seite 71

Lovecraft war kein Wissenschaftler und solche Aussagen gründen nur in seinen Beobachtungen. Ob Bildungsferne zu einer erhöhten Religiosität führt bleibt offen. Er führte hier keine Philosophen oder Soziologen an. Zumal Lovecraft auch allenfalls eine Situation im ersten drittel des vergangenen Jahrhunderts beschreiben konnte. Unkritisch sollte man sich also nicht derartige Meinung zu eigen machen, klar.

Aber es kommt nicht nur auf die inneren Werte an. Wie schaut das Buch aus? Lovecraft verweist auf einige Personen oder verwendet Begriffe, die nicht immer sofort bekannt sind. Hilfreich sind daher die Fußnoten, die am Ende der jeweiligen Seite angebracht wurden, nicht wie im Original am Ende des Buches in gesammelter Form. Beide Varianten mögen Fürsprecher haben, ich fand es aber angenehm, direkt eine Erklärung zu einer Person o.ä. zu haben. Bei den Fußnoten möchte ich aber auch sagen, dass sie grundsätzlich sehr gut, weil nützlich waren.

Für wen ist das Buch geeignet? Ich glaube, es gibt einige, die Gegen die Religion mit einem Gewinn lesen könnten. Da sind diejenigen, die sich für die Person Lovecraft interessieren. Im Moment sind gerade zwei biografische Werke erschienen, dennoch geben die Gedanken HPLs in Briefen ein besseres, zumindest aber ein abgerundetes, Bild von seiner Person. Letztendlich ist es mir so ergangen, auch weil ich seine Art zu schreiben sehr erfrischend fand. Sekundärliteratur sieht anders aus! Die Sammlung von Briefen und Essays kann nicht direkt zur Einordnung der fiktionalen Geschichten dienen. Lovecraft geht nicht auf seine Werke ein. Ob Cthulhu nun ein Gott oder ein Außerirdischer ist, platt formuliert, wird nicht geklärt.

Mir hat das Buch sehr gefallen, es war gut lesbar und auch einige Gedanken zum Atheismus konnte ich mitnehmen. Für Liebhaber des Autoren eine Kaufempfehlung.

Es sei hier erwähnt, dass mir das Buch als Rezensionsexemplar vom Herausgeber überlassen wurde.

 

 

Autor H.P. Lovecraft
Titel Gegen die Religion
Verlag jmb
Erschienen 8/2017
ISBN 978-3-944342-94-8
Herausgeber/Übersetzer Bartoschek, Dombrowski, Dreyfürst
Cover Birte Svea Philippi
Seiten 240
Preis 19,95
Original Ausgabe Against Religion. Hrsg. S.T. Joshi, Sporting Gentlemen

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