Lee – Innswich Horror

Foster Morley ist begeisterter Lovecraft Fan. Er begibt sich 1939 auf eine Reise durch Massachusetts auf der Suche nach den Orten, die seinem geliebten Autoren Inspiration boten. Dabei stößt er auf den nirgends verzeichneten Ort Olmstead. Sofort verbindet er den Namen der Stadt mit dem Erzähler aus der Geschichte Schatten über Innsmouth und bleibt einige Tage für Erkundungen an diesem Ort. Dabei stellt er Augenscheinlich keine Gemeinsamkeiten zum fiktiven Innsmouth fest: Olmstead geht es gut, die Regierung hat viel Geld für die Sanierung des alten Fischerortes bereitgestellt, die Fischerei läuft überdies gut und gehört zu einem wichtigen überregionalen Wirtschaftsfaktor und der Bevölkerung der sauberen Küstenstadt scheint es ebenfalls gut zu gehen, er trifft auf freundliche Menschen… vorwiegend schwangere Frauen.
Ist dieser Ort tatsächlich die Vorlage für Schatten über Innsmouth? Die Antwort liegt wortwörtlich unter der Oberfläche!

Edward Lee beschreitet in seinem Roman Innswich Horror einen sehr schönen Weg, denn die ersten Seiten könnten ein Reisebericht durch das Lovecraft Country, also ein Teil Neuenglands sein. Was wäre für einen Fan Lovecrafts interessanter? Wir befindet uns aber alsbald mit Foster Morley am Beginn seines Abenteuers und langsam steigt die Spannung. Anfangs wird nur die überdurchschnittliche Zahl schwangerer Frauen herausgestellt, die der Protagonist aber mit staatlichen Initiativen und der gleichen zu erklären versucht. Bei weiteren Nachforschungen stößt er auf den ehemaligen Fotografen und Zuhälter Cyrus Zalen, dieser heruntergekommene Mann, erklärt ihm dann, was in diesem Dorf wirklich passiert: Lovecraft nahm das alte Olmstead tätsächlich als Grundlage für seine Geschichte, die Wahrheit fände Foster in einem Tunnelsystem an der Küste.

Ich will nicht weiter spoilern, allerdings bleibt die Geschichte etwas flau. Das liegt nicht daran, dass alles vorhersehbar ist, es ist eher der Horror, der fehlt. Gruselig wird es zu keinem Zeitpunkt, an einigen Stellen könnte vielleicht etwas Ekel aufkommen.
Was allerdings ziemlich gut war, war das Ende. Die letzte Wendung rang mir ein Lächeln ab, unvorhersehbar und etwas pulpig.

Die größte Schwäche meiner Meinung nach, sind die Hauptfiguren. Zum einen Foster Morley, ein reicher Schnösel, naiv und kantenlos. Selten habe ich das Bedürfnis eine Hauptfigur sterben zu sehen (natürlich nur in Horror Büchern o.ä.), er gehört aber dazu. Beispielhaft sei eine Szene geschildert, in der sich ein Eis kauft. Es kostet 5 Cent aber er zahlt 5 $, der Rest ist Trinkgeld. Er schmeißt mit seinem Geld nur so um sich, weil er sich als Retter sieht. Natürlich geht es ihm nur darum, die wirtschaftliche Lage der Verkäuferin zu verbessern, nebenbei hat er sich aber auch in sie verkuckt und träumt davon mit ihr zusammen bis an ihr Ende in einem großen Haus zu leben. Damit wird seine Persönlichkeit klar, er ist ein Heuchler. Die Erwähnung an anderer Stelle, dass er die Schriften von Marx kenne, er aber gleichzeitig einen heruntergekommenen Mann (Zalen) auf Grund seiner Lebensumstände verurteilt und mit ihm um ein paar Dollar feilscht, lässt mich glauben, dass er keine Ahnung von der wirklichen Welt hat und das, was er liest nicht unbedingt versteht. Solche Episoden tauchen immer mal wieder auf. Ihn treiben keine inneren Zwänge oder äußere Umstände an, einzig die Begeisterung für Lovecraft weicht einer gesteigerten Hingabe zu der Frau seiner Begierde. Aber nichts wird vertieft oder führt zu einer interessanten Wendung der Geschichte. Sollte Edward Lee diesen Charakter so angelegt haben, dann ziehe ich meinen Hut. Denn auch wenn Foster blass und konsistenzlos ist, weckt seine Beschreibung doch tiefe Gefühle in mir, keine guten nebenbei.

Die Gesichte ist eher mäßig, der Hauptcharakter könnte kantiger sein, warum also habe ich das Buch zu ende gelesen? Die Geschichte ist nicht schlecht, man sollte aber keinen Schauer auf dem Rücken erwarten, auch Forster Morley ist nicht einer der besten Sympathieträger aber Edward Lee schnürt hier ein solides Gesamtpaket und versteht etwas vom Schreiben.

Wenn man das in Sternen ausdrücken sollte:
Meine Wertung: 3/5
LovelyBooks: 4/5 bei 23 Bewertungen
Goodreads: 3,8/5 bei 241 Bewertungen

Genre Horror; leichter Grusel
Autor Edward Lee
Titel Innswich Horror
Verlag Voodoo Press
Erschienen 2012
ISBN 978-3-902802-14-9
Übersetzer Kerstin Fricke
Cover Christian Krank
Seiten 180
Preis 12,95 €

 

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