Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen

Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen

Das Bestimmungsbuch liegt jetzt schon länger bei mir herum und es sind auch schon einige Reviews auf anderen Blogs erschienen. Trotzdem möchte ich auch etwas dazu schreiben, lieber spät als nie! Ich war von Anfang an ziemlich gespannt auf das Buch. Ob es meine Erwartungen erfüllen konnte? Ich will nicht vorweggreifen, aber es sieht gut aus.

Ersteindruck

Das Buch ist trotz seiner 128 vollfarbigen Seiten recht dünn und macht mit dem hellen Cover eher den Eindruck eines Was-ist-was-Buches. Eigentlich beurteile ich Bücher nicht nach Äußerlichkeiten (meistens jedenfalls nicht) bei diesem Buch mache ich aber eine Ausnahme. Warum? Das Werk ist nicht in der Form eines normalen Monsterhandbuches oder anderen Quellenbandes geschrieben, sondern versucht sich der Spielwelt anzupassen. Es sollte also auch als Handout dienen können. Dieser Gag funktioniert, wenn auch einige Stilbrüche vorhanden sind. Das Vorwort beispielsweise von Prof. Carter von der Miskatonic Universität wird mit 2014 datiert. Das Vorwort außer Acht gelassen, wird bei der Großen Rasse von Yith Bezug auf Nathaniel Peaslee genommen, der 1936 seine Erlebnisse aus Der Schatten aus der Zeit niederlegt. Ermittler aus den 20ern müssten diese Stelle überlesen. Davon gibt es einige Beispiele. Ist aber absolut in Ordnung, immerhin wird das Buch ja nicht explizit für das 20er Jahre Setting vertrieben.

Gliederung

Das Buch umfasst zwei Teile: Wesen des Cthulhu-Mythos und Wesen der Traumlande. Beiden Teilen wird jeweils eine Einführung sowie ein Bestimmungsschlüssel vorangestellt. Danach folgen die Wesenheiten in alphabetischer Reihenfolge. Das Buch endet mit einer Größenvergleichsübersicht und Literaturempfehlungen.
Schön fand ich den Bestimmungsschlüssel. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Spieler den Beschreibungen lauschen und versuchen anhand der Eigenschaften das Wesen zu identifizieren. Ich habe aber auch gemerkt, wie spaßig es ist, den Linien des Flussdiagramms zu folgen, um einfach mal zu sehen, wo ich lande. Nerd Bespaßung pur. Hier wird aber auch klar, dass dieses Buch auch für Nicht-Rollenspieler geeignet ist. Man kann sich den Mythos Lovecrafts einfach nähern: Das Buch selbst gibt einem Lesetipps anhand bestimmter Eigenschaften der Mythos-Kreaturen.
Bei der Literaturempfehlung werden die Lovecraft Ausgaben aus dem Festa Verlag genannt, gefolgt von Rollenspielpublikation aus dem eigenen Haus und abschließend werden (fiktive) Quellenangaben und weiterführende Lektüre vorgestellt. Zumindest scheinen sie fiktiv, ich habe nicht alle geprüft. Es werden zwar Golden Goblin Press und Random House angegeben aber auch Arkham als Veröffentlichungsort und Nathaniel Peaslee als Autor. Einige Bücher sind allerdings tatsächlich gelistet, wahrscheinlich eine gute Mischung aus realen und fiktiven Werken oder eine Schnitzeljagd. Der Witz ging wegen der zu erst erfolgten Nennung von Spielbüchern leider unter. Die letzten zwei Absätze verweisen noch auf eine Traumstudie und ein Zentrum für ungewöhnliche Vorkommnisse in Nordamerika.

Kreaturendarstellung

Der Aufbau einer Kreaturenbeschreibung ist immer ähnlich: Jedes beschriebene Wesen nimmt zwei Seiten ein. Auf der linken Seite findet sich ein Fließtext mit einer kurzen Übersicht, unterteilt wird dann Vorkommen, Verbreitung, Lebens- und Verhaltensweise sowie Unterscheidungskriterien. Eingeleitet wird die Seite mit den Namen der Kreatur und einem kurzen Text Lovecrafts. Jedem Wesen ist zusätzlich ein Symbol zugeordnet und in einer Ecke findet man einen Größenvergleich in sepia, Spielwerte oder -mechaniken sucht man dagegen vergebens.
Die rechte Seite wird mit einem farbigen Bild des Wesens sowie kleinen Grafiken einiger Details der Kreatur geschmückt. Daneben findet sich ein Textkasten, der handschriftlichen Notizen gleicht. Am Rand prangt noch der Ordnungsbuchstabe des Index; hätte man auch weglassen können. Schade, dass diese rechten Seiten Bestimmungsbuch der unausprechlichen Kreaturen am unteren Rand stehen haben. Ansonsten sind die Seiten wie gewohnt auf alt getrimmt: Siffige Ränder und Flecken.

Gérard de Lairesse, 1640-1711

Ich mag die Bebilderungen, da sie recht genau das zeigen, womit man es in einem Abenteuer oder beim Lesen einer der Geschichten zu tun hat. Man hätte aber auch auf Zeichnungen im Stil von Anatomiebüchern des 18. Jahrhunderts ausweichen können. Dies hätte den Vorteil, dass man authentisch den Körper darstellt und trotzdem dem Leser die Möglichkeit gibt, seine Fantasie zu nutzen. Letztendlich ist dies eine reine Geschmacksache und meinen treffen die im Buch verwendeten Grafiken.

Ich habe gelesen und auch bei Orkenspalter gesehen, dass es wohl ein Zuordnungsfehler von diesen kleinen handschriftlichen Randnotizen geben soll. Dies betrifft Die Menschen von Leng und die Mondbestien. Ich habe von vorne nach hinten gelesen. Beide Kreaturen folgen direkt aufeinander, überdies gibt es auch thematisch bzw. inhaltlich eine enge Verbindung beider Arten und so habe ich keinen Fehler bemerken können. Daneben verweist der kleine Text bei den Mondbestien auf die korrekte Seitenzahl von den Menschen von Leng, daher gehe ich davon aus, dass die Notizen dort sind wo sie sein sollen und wenn nicht, wäre ein Fehler nur zu bemerken, wenn man ihn kennt, meiner Meinung nach.

Fazit
The Grand Grimoire of Cthulhu Mythos Magic

So wie das Buch ist, ist es eine klare Empfehlung. Es ist interessant, lädt zum stöbern ein und hat einen Mehrwert am Spieltisch. Das Buch ist nicht nur etwas für Cthulhu-Spieler, ebenso dürften Lovecraft Fans auf ihre Kosten kommen.
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich das Cover ändern. Das ganze im Stil von The Grand Grimoire of Cthulhu Mythos Magic wäre pornös.

Über kleine Schönheitsfehler kann ich hinwegsehen, auf diese hatte ich ja schon im obigen Text hingewiesen. Für mich ist es das beste Monsterhandbuch, welches ich besitze 😉 .

Eckdaten
System Call of Cthulhu
Autor Sandy Peterson
Titel Bestimmungsbuch der
unaussprechlichen Kreaturen
Verlag Pegasus Spiele
Erschienen 15. Mai 2017
ISBN 978-3957891099
Übersetzer Robert Maier
Cover Ralf Berszuck
Illustration Loic Muzy, Marusz Gandzel, Claire Delépée
Seiten 128
Preis 19,95 €

 

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