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Happy Birthday Karneval der Rollenspielblogs

Alte Säcke

Happy Birthday! Der Karneval der Rollenspielblogs ist fünf Jahre alt geworden. Der Blechpirat hat auf seinem Blog Richtig Spielleiten! schon einen Ein- und Rückblick auf die Geschichte des Karnevals geliefert. Doch was ist eigentlich der Karneval und gibt es Zahlen? Ja, ich liebe Zahlen 🙂

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Rollenspielkarneval eigentlich nichts anderes als ein Blogumzug ist, so wie ihn vermutlich viele Blogger kennen. Kleine Besonderheit hier ist, dass er monatlich stattfindet und nur Rollenspielblogs daran teilnehmen bzw. der Artikel einen Rollenspielbezug haben muss. Das englischsprachige Pendant dazu ist der RPG-Carnival, der bereits seit August 2008 tourt.

Das man dieses Konzept in die deutschsprachige Community übertragen hat, ist wohl spielleiten und den Mitgliedern des RSP-Forums zu verdanken. Das Logo geht dabei auf Annika von den Teilzeithelden zurück.

Das ursprüngliche Karnevalslogo
Das ursprüngliche Karnevalslogo
Alternatives Karnevalslogo
Alternatives Karnevalslogo

Wie man aber noch sehen wird, gibt es Variationen beim Logo. Die Anpassungen wurden von den einzelnen Organisatoren der Karnevale vorgenommen oder auch von den einzelnen Teilnehmern und sind wirklich schick. Das zum 5-jährigen wurde von Michael L. Jaegers erstellt.

Wer mit den Gedanken spielt, einmal mitzumachen, dem sei dieser Foren-Post empfohlen. Bislang gab es 61 Umzüge mit 32 Organisatoren und hunderte Beiträge! Wer waren die Organisatoren? Kleine Gedächtnisstütze:

Die Organisatoren

Die meisten Karnevale hat dabei Spiele im Kopf organisiert, insgesamt fünf mal übernahm er die Orga.

Mit jeweils vier Orga-Spenden teilen sich
Clawdeen, d6ideas, Greifenklaue und die Zeitzeugin den 2. Platz.

Mit jeweils drei Themen bewiesen
Neue Abenteuer, Richtig Spielleiten und Zornhau
ihr Organisationstalent und zweimal hielten

Bjørn Jagnow, De Malspöler (Herzliches Rollenspiel), HârnMaster, Jaegers.net, Nerd-Gedanken und die Teilzeithelden sowie mit diesem Karneval meine Wenigkeit
den Karneval auf Kurs.

Jeweils einmal übernahmen
Bombshell, Drømte mig, Engors Dereblick, Felis, Hoch ist gut, Ludus Leonis, Mad-Kyndalanth, Malfeas, Mondbuchstaben, Nandurion, Roachware, spielleiten, storiesandcharacters, Tagschatten, w6vsw12, Weltenbau Wissen und ZauberFerne
das Ruder.

Roboter, Golems und Kunstwesen
Roboter, Golems und Kunstwesen, Oktober 2015 von Clawdeen

 

Über die fünf Jahre sind viele Blogs verwaist. Ich werde sie hier nicht auflisten, denn es besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass sie wieder reaktiviert werden, allerdings gibt es einige Blogs überhaupt nicht mehr:

In Gedenken an

Das Herzliche Rollenspiel
Der Blog von Bjørn Jagnow
HârnMaster.de

Die Organisation

Die Organisation des Karnevals läuft über das RSP-Blogs Forum, was für Themenfindung und Diskussionen sehr praktisch ist. RSP-Blogs ist dabei die Seite für deutschsprachige Rollenspielblogs und Aggregator eben dieser. Gefühlt sind dort alle Rollenspielblogs angemeldet. Letztendlich hilft es auch ungemein bei der Vernetzung, als Aggregator werden die neusten Posts auf die Startseite von RSP-Blogs katapultiert und man hat immer etwas zum Lesen. Daneben gibt es auch den Twitter Account und eine FB Seite.
Neben dem offiziellen Twitter Account gibt es auch noch RSP-News mit zusätzlichen Links zu englischsprachigen Blogs. Eine lebhafte Community hat sich auch auf G+ angesammelt und Nerdpol liefert Termine von Streams auf Youtube. Übrigens Youtube: Dort gab es mal eine dem Karneval ähnliche Aktion: Das Vlogtaculum. Leider wurde diese Aktion im August 2015 eingestellt.
Um Karnevalsthemen besser auf Twitter und eventuell G+ zu filtern, bietet sich der Hashtag RSPKarneval = #RSPKarneval an.

Auswüchse der Wissenschaft, Mai 2016 von Nerd-Gedanken
Auswüchse der Wissenschaft, Mai 2016 von Nerd-Gedanken
Begleitaktionen

Der Karneval hat so einiges hervorgebracht. Im Februar 2015 zum Beispiel. 10 Dinge war das Thema, ausgerichtet von Greifenklaue. Dieser Karneval hat zur Parallelaktion 10 Dinge zum 10. geführt. Greifenklaue und Würfelheld führen daneben nicht nur den Winter- OPC (One Page Contest) sondern auch die RPG-Blog-O-Quest durch.
Einige Karnevale haben danach auch noch Begleitaktionen veranstaltet. Loot-a-Day fand zusammen mit dem August 2016 Karneval Geld, Gold und Schätze, ebenfalls von Greifenklaue statt. Ein Jahr zuvor, nämlich im August 2015, gab es den Karneval zum Thema Artefakte organisiert von Spiele im Kopf, die Begleitaktion war Artefact-a-Day.

Daneben gibt es einige andere Blogaktionen. #RPGaDay ist so eine. Aber auch größere Aktionen, die zwar nichts mit dem Bloggen an sich zu tun haben, dennoch eine wirkliche Bereicherung für die ganze Szene sind. Der Gratisrollenspieltag zum Beispiel. Am 8. April 2017 ist es wieder soweit, also schon mal merken!

Was haltet ihr vom Karneval?

Einen Karneval will ich mal etwas genauer unter die Lupe nehmen, nämlich den im Dezember 2012. Das Thema war Karneval und organisiert hat ihn d6ideas. Dabei war das Thema nicht explizit der Karneval der Rollenspielblogs, dennoch gab es ein paar Beiträge, die sich damit beschäftigt haben.

De Malspöler schrieb einen schönen Artikel über Vernetzung, Themenfindung und Beteiligung beim Karneval. Teilweise musste ich schmunzeln, denn Trackbacks scheinen immer noch nicht überall angekommen zu sein, sehr doppeldeutig. Was Themenfindung und Beteiligung angeht, sieht es wohl vier Jahre später besser aus, vielleicht auch nicht. Ich habe mich für fast ein halbes Jahr so gut wie komplett aus dem Bloggen zurückgezogen und kann daher eher weniger mitreden. Auch was so in den Foren los war, weiß ich nicht wirklich.

In der Zusammenfassung zu diesem Karneval auf d6ideas klang öfter mal an, dass man konkretere Themen mochte:

Froschzeh: Was mich zu meiner These zurückbringt, dass Karnevalsthemen durch engeren Fokus besser werden. Sehr allgemeine Themen führen dann auch zu sehr allgemeinen Artikeln.
(Zum August Karneval 2012: Emotionen im Rollenspiel)

Dem kann ich mich persönlich anschließen, halte aber auch recht konkrete Themen mitunter für wenig ergiebig im Rollenspielkontext. Btw. gab es in dem Artikel von d6ideas auch eine schöne Revue des ersten Jahres.

Malspöler startete in seinem Artikel eine Umfrage. Ich würde diese Umfrage gerne vier Jahre später wiederholen. Es sind die gleichen Antworten und sie läuft auch annähernd zwei Wochen, würde mich freuen, wenn ihr daran teilnehmt und anderen davon erzählt.

Ein wichtiger Punkt fehlt noch: Wie kommt der Karneval eigentlich bei Euch Lesern an? Ich habe dazu, neben der Namensumfrage für die Con, eine weitere Umfrage aufgemacht. Auch Kommentare sind sehr erwünscht. “Dafür sind die meisten sicher eh wieder zu faul.“ Und an euch andere Karnevalsblogger: Bitte weist auf die Umfrage hin, damit wir ein umfassendes Stimmungsbild bekommen! Und stimmt nicht ab, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird. “Du entwickelst nen kleinen Umfragentick. Das ist Dir schon klar oder? Wobei, so klein ist der nicht mehr.“

Wie findest Du den Karneval der Rollenspielblogs?
  • Coole Sache. Schaue ich mir gerne an und lese einiges. 45%, 9 Stimmen
    9 Stimmen 45%
    9 Stimmen - 45% aller Stimmen
  • Joa, ich lese mal hier und mal da was. 40%, 8 Stimmen
    8 Stimmen 40%
    8 Stimmen - 40% aller Stimmen
  • Interessiert mich kein Stück. 10%, 2 Stimmen
    2 Stimmen 10%
    2 Stimmen - 10% aller Stimmen
  • Nur, wenn auf meinen Lieblingsblogs Artikel kommen. 5%, 1 Stimme
    1 Stimme 5%
    1 Stimme - 5% aller Stimmen
  • Hä? Worum geht es? 0%, 0 Stimmen
    0 Stimmen
    0 Stimmen - 0% aller Stimmen
  • Geil! Ich lese immer alle Artikel. 0%, 0 Stimmen
    0 Stimmen
    0 Stimmen - 0% aller Stimmen
Abstimmungen insgesamt: 20
31. Dezember 2016 - 16. Januar 2017
Umfrage beendet

Zum Schluss noch eine Auflistung aller Karnevale bis November 2016. Ich danke allen Organisatoren, Teilnehmern und Lesern dafür, dass sie unser gemeinsames Hobby bereichern und wünsche ein gesundes neues Jahr 2017!

Happy Birthday Karneval der Rollenspielblogs weiterlesen

Eine kleine Geschichte zum Rollenspiel

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Eigentlich hatte ich nicht vor diesen Artikel in der folgenden Form zu schreiben, er sollte etwas anders werden und er stand auch nicht ganz oben auf meiner Liste. Aber das ist ja das Schöne am bloggen: Man bleibt flexibel.

Vor ein paar Tagen begann ein neuer Monat und ein neuer Karneval der Rollenspielblogs. Ich habe den Startbeitrag geschrieben, noch einmal schnell drüber gesehen bevor ich ihn veröffentlichte. Später fielen mir dann ein paar Rechtschreibfehler auf, die ich korrigierte. Was mir nicht auffiel, war eine fragwürdige Formulierung. Fragwürdig deswegen, weil sie etwas als gegeben unterstellt, was nicht in meiner Kenntnis liegt.

Oder kennt Schlagzeilen wie gefährlich DSA für Jugendliche ist?

Ich habe DSA ausgestrichen und einen Platzhalter eingesetzt. Für den Hinweis danke ich Tagschatten. Ich will daraus auch keine große Sache machen, ich habe schon im Forum und unter seinem Kommentar geschrieben, dass ich dabei keine Hintergedanken hatte und ich nicht weiß, ob es solche Schlagzeilen gab. Warum ich DSA genannt habe? Ich wollte nicht immer auf D&D verweisen. Die Karnevalsteilnehmer spielen viele Systeme und ich habe gelernt, möglichst viele anzusprechen, wenn man viel Resonanz möchte. Ich hätte ebenso Shadowrun oder Cthulhu nennen können, mir ging es nicht um exakt diese Schlagzeile, sondern um eine derartige Schlagzeile und auch war es nicht auf Deutschland oder deutschsprachige Regionen beschränkt, wie es die Formulierung der Frage vermuten ließ, eben wegen DSA. Damit denke ich, dürfte die Sache in diesem Fall geklärt sein, wäre da nicht der Grund weswegen ich überhaupt auf die Jugendgefährdung als exemplarischen Vorwurf kam. Dass es in Deutschland in den Medien (Zeitungen, Bücher und Fersehen) in den 80ern und 90ern keine in der Form negative Berichterstattung über das Rollenspiel, Rollenspieler oder einzelne Systeme gab, kann ich allerdings widerlegen. Zumindest ein Artikel dürfte vielen Rollenspielern bekannt sein. Das es in den USA mannigfach stärkere Kritik gab, spielt eine gewisse Rolle.
Ich will hier nicht über die Qualität der Inhalte sprechen, es geht hierbei darum, dass es sie gab und es eine Meinung widerspiegelte, die durchaus nicht nur vereinzelnd existierte: Rollenspiele sind gefährlich.

Vor sechs Jahren schrieb ich einen Artikel über die sogenannten Killerspiele. Das Ganze fand vor dem Hintergrund eines Amoklaufs und dem sogenannten Killer-Spiele Killer aus der Sendung Stern TV statt (Beitrag von Stern TV war derzeit nicht mehr zu finden bzw. habe ich einen besseren Beitrag von Stefan Niggemeier verlinkt). Ich hatte damals einen Bogen zum Pen&Paper geschlagen, weil ich eigentlich aufzeigen wollte, dass sich Geschichte reimt. Dabei gab es Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede. Was aber auffiel, war das mediale Echo. Pen&Paper in den USA der 80er, Ego-Shooter im neuen Jahrhundert in Deutschland.

Die Geschichte

Am 9. Juni 1982 nahm sich Irving Pulling das Leben. Wenige Stunden vor seinem Tod soll er eine Runde D&D gespielt haben. Seine Mutter konstruierte einen Zusammenhang und war fest davon überzeugt, dass ein Fluch aus dem Spiel ursächlich für den Tod war. Ob sie dies im übertragenen Sinne meinte, sprich eine instabile Psyche bei ihrem Sohn vermutete und dieser dann zwischen Spiel und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden konnte, oder es tatsächlich so glaubte, kann ich nicht beantworten. Wichtig ist letztendlich auch nur, dass sie mit viel Medienwirkung einen Kreuzzug gegen D&D anfing. Der Todestag von Irving Pulling ist der Beginn der Schmutzkampagne gegen ein Hobby und reichte bis in die 90er.

Zuvor gab es etliche Selbstmorde von Jugendlichen, jeder ist tragisch, doch die Ursachen liegen wahrscheinlich nie in einem Spiel begründet. Ich möchte noch einen Fall herausgreifen. James Dallas Egbert III. Geboren und aufgewachsen in Dayton, Ohio besuchte er mit 16 das College. 1979, er war noch 16, verschwand er aus dem Wohnheim und wurde von der Polizei gesucht. Dieser Fall ist deswegen bemerkenswert, weil James Kommilitonen darauf hinwiesen, dass er Probleme mit dem Druck seiner Eltern hatte, er Drogen konsumierte und unter Depression litt. Doch wurde für das Verschwinden und seinen späteren Selbstmord D&D verantwortlich gemacht.
Als er einige Zeit später wieder auftauchte, konnte rekonstruiert werden, dass er in einem Tunnelsystem unter der Uni und mit Methaqualin im Blut (in dem Fall missbräuchlich verwendetes Malariamedikament) versucht hatte, sein Leben zu beenden.  Die Verbindung zum Rollenspiel kam dabei von Aussagen einiger anderer Studenten, die allerdings nur berichteten, dass einige Jugendliche das Tunnelsystem dafür nutzen würden, D&D eine Live-Komponente zu geben. Die Schlussfolgerung war für die Eltern und einem später hinzugezogenen Detektiv, dass D&D zum Realitätsverlust führt und auch für den Tod des Jungen verantwortlich ist. James starb an einer Entzündung einer Wunde, die er sich bei seinem dritten oder vierten Selbstmordversuch beigebracht hatte. Er wurde 17 Jahre alt.

Dieser Fall inspirierte Rona Jaffe zu ihrem Buch Mazes and Monsters, welches unter gleichen Titel für das amerikanische Fernsehen verfilmt wurde (Tom Hanks erste große Rolle). 1982 erschien er drüben und 1991 hatte er die deutsche Erstausstrahlung. Das Buch kenne ich nicht, es wurde auch nicht ins deutsche übersetzt, dafür habe ich den Film gesehen… mehrmals und ich mag ihn. Warum? Das wäre ein eigener Artikel. Allerdings rein filmisch ist er schlecht gemacht, inhaltlich ist der ganze Stoff mehr Fantasy als das Rollenspiel welches im Streifen gespielt wird. Der Film warnt nicht vor den Gefahren des Rollenspiels, aber liefert Bilder. Pen&Paper war zwar in Amerika sehr verbreitet, aber nur unter Jugendlichen. Eltern und besorgte Bürger sahen diesen Film und mussten sonst etwas denken, was in den Zimmern der Teenager vorgeht. Auch hierzulande.

Kommen wir aber zurück zu Irving Pulling bzw. zu seiner Mutter Patricia Pulling. Es ist verständlich, dass man nach dem Selbstmord seines Kindes nach Antworten sucht und vielleicht auch Schuldige ausfindig machen will. Jeder hat seine Art Trauer zu bewältigen. Im Fall Pulling versteifte sie sich darauf, dass Dungeons & Dragons ihren Sohn getötet hat. Sie gründete eine Initiative genannt BADD (Bothered About Dungeons & Dragons / Besorgt wegen Dungeons & Dragons). Sie warf dem Spiel (nur Auszugsweise) Hexerei, Voodoo, Satanische Rituale und Nekromantie vor. Untersützung fand sie bei den konservativen Christen in Amerika daneben scharrten sich besorgte Eltern und Angehörige verstorbener Teenager um sie. Aber auch wissenschaftlicher Beistand erfolgte in Form von Dr. Thomas Radecki, Gründer der Nationalen Koalition gegen Gewalt im Fernsehen. Die Glaubwürdigkeit dieses Mannes, der immer mal wieder negativ auffiel und derzeit im Gefängnis sitzt, wurde bereits 1985 leicht angekratzt, als er einen Brief aus dem Buch Mazes and Monsters als Beleg dafür anführte, wie gefährlich Rollenspiel sei.

Ein kleiner Ausschnitt aus 60 Minutes, CBS 1985

Patricia Pulling veröffentlichte auch Schriften, mit denen sie ihre Meinung verbreitete, meist hatten sie Flugblatt- oder Broschürencharakter, allerdings schrieb sie auch ein Buch The Devils Web welches in deutsch 1990 unter dem Titel Das Teufelsnetz (ISBN 978-3882248364) erschien und ihre Sichtweise zum Rollenspiel wiedergab.

Situation in Deutschland

In Deutschland war die Situation anders. Es wurde nicht in der Form wie in den USA über Pen&Paper berichtet. Mögliche Ursachen für die zurückhaltende Presse mag schlicht eine wesentlich geringere Verbreitung von Rollenspielen, geringere Selbstmordrate unter Jugendlichen in den 80ern in Deutschland, kein Einfluss von stark christlichen Gemeinschaften oder einfach ein anderes Verständnis von dem was ein Spiel verursachen kann und was nicht, sein. Was ich allerdings sagen kann ist, dass es in dem Blatt Erwachet! im Jahre 1982 anscheinend ein Bericht mit dem Titel „Dungeons and Dragons“ – ein gefährliches Unterhaltungsspiel gab. Erwachet! ist ein regelmäßig erscheinendes Blatt der Zeugen Jehovas, damals noch kostenpflichtig. Eine zweite Quelle für diesen Bericht konnte ich auf die Schnelle nicht ausfindig machen, persönlich halte ich die Seite jedoch für glaubwürdig. Der Artikel ist wohl eine Übertragung aus dem amerikanischen Schwesterblatt Awake!, zumindest fußt er auf der amerikanischen Ausgabe des Rollenspiels (D&D erschien erst 1983 auf deutsch). Die Vorwürfe gegen das Spiel sind ähnlich denen von Patricia Pulling.

Es gibt sicherlich noch mehr, ich füge in der Linkliste weitere mögliche Quellen an, die ich aber nicht gesichtet habe. Um auf den Anfang meines Post zu kommen: Das war die Intention meiner o.g. Frage, ob man derartige Schlagzeilen kennt, um einfach etwas über eine skurrile Geschichte des Rollenspiels zu berichten.

Linktipps und Linkliste
  • Der Pulling Report von Michael A. Stackpole aus dem Jahre 1990. Stackpole Autor und Spielentwickler und nahm sich 1990 der Casa Pulling an. Er fasste die Ereignisse im Pulling Report zusammen und ging auf einzelne Vorwürfe der BADD ein. Nur auf englisch abrufbar.
  • Fantasy-Rollenspiel – Gefahren und Chancen. Ein Vortrag von Dr. Jeannette Schmid, Uni Heidelberg (jetzt Frankfurt), für den Realschullehrerverband und der VHS Schwäbisch- Hall aus dem Jahr 1995. Dieser Vortrag ist sehr objektiv und sehr gut. Heute ist es mitunter schwer Quellen zu finden oder zu verifizieren, daher sind Schriftstücke aus der Zeit interessant, weil sie einen Einblick in die damalige Gegenwart gewähren.
  • The grat 1980s Dungeons & Dragons panic ist ein Bericht der BBC aus dem Jahre 2004. Eine Zusammenfassung der Ereignisse um BADD und ein Fall wie sich dies im UK auswirkte.
  • How We Won the War on Dungeons & Dragons von Annalee Newitz auf io9 aus dem Jahre 2014. Eine sehr persönliche Sicht auf das Thema von einer Spielerin der ersten Stunde.
  • Rollenspielstudien. Viele Quelle wurden hier über die Berichterstattung von Rollenspielen zusammengetragen, guter Ausgangspunkt für eigene Recherchen.
  • Drachen, D-Mark und Dämonen. Artikel aus der ZEIT aus dem Jahre 1984. Die großen Medien berichten recht neutral und gelassen über das Hobby. Danke für den Link an Greifenklaue.

Abschlußartikel zum Juni Karneval

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Ist es schon so spät, wer hat an der Uhr gedreht?  Der Karneval für den 6. Monat hatte das Thema Strategie und Taktik. Der Einleitungsartikel ist hier zu lesen und hier findet man den Foreneintrag. Leider hat es aus diversen Gründen etwas länger gedauert, doch bevor ich endgültig in die Sommerpause gehe, will ich nicht versäumen, den Teilnehmern in angemessener Form meinen Dank auszusprechen.  Das Thema an sich war vielfältig und ist es immer noch 🙂

Chaotisch Neutral hat gleich drei Artikel beigesteuert. Thematisch auch sehr eng beieinander: Sun Tsus Die Kunst des Krieges, Clausewitz Vom Kriege und Machiavellis Der Fürst. Alle drei Werke beschäftigen sich mit Strategie und Taktik im Krieg oder der Politik. Der Bogen wie man aus diesen Überlegungen auch als Spieler eines Rollenspiels profitieren kann, ist gut geschlagen. Übrigens sind alle drei Werke auch im Net frei verfügbar.

RPGnosis hat sich dann daran gemacht, bestimmte Prämissen u.a. von Clausewitz einmal genauer zu betrachten. Was man tut, macht einen Unterschied. Ist dieser Satz im Rollenspiel zutreffend und ist das nicht gerade die Voraussetzung für strategisches Handeln?

Doch inwieweit sind Taktiken überhaupt anzuwenden? Zumal in den meisten Systemen Würfel benutzt werden und bestimmte Handlungen einfach runtergewürfelt werden. Hoch ist gut hat sich unter anderem dieser Frage angenommen.  Letztlich stellt er fest, das Rollenspiele keinen geeigneten Platz für Taktik bieten.

Dieser Artikel führte nun zu zweierlei Dingen: Zum einen entstand dadurch eine Diskussion im Forum, zum anderen griff De Malspöler die beiden letztgenannten Artikel auf und stellt die Notwendigkeit von taktischen Entscheidungen im Rollenspiel heraus.

Die vorgenannten Artikel bilden für mich eine runde Sache, so wird aus Rede und Gegenrede, wenn ich es mal so nennen darf, ein ziemlich umfangreiches Bild von Überlegungen zum Thema gezeichnet.

Ein sehr praktisch orientierter Artikel stammte von 1W6. Dieser war aber selbst während des Karnevals nur kurz abrufbar. Ich verlinke ihn hier trotzdem und hoffe, dass es nur ein temporäres Problem ist. Darin war u.a. beschrieben, wie Positionierung der Spieler zu unterschiedlichen Schaden führen kann.

Ich war und werde wohl nie ein richtiger DSA Spieler, trotzdem finde ich die Geschichte und Geschichten der Welt oder Welten äußerst spannend.  Engor hat einen Artikel mit Titel Von Frontschweinen und Meisterstrategen geschrieben, darin werden recht handfeste Möglichkeiten aufgeeigt, wie die Spieler zu Strategen werden und obendrein werden Beispiele aus der DSA Welt gegeben… sehr schön, auch für DSA Außenstehende.

Praktisch geht auch Alles ist Zahl an die Sache heran. Drei Beispiele beleuchten die Schlacht, den Battlemap Endboss und das Intrigenspiel näher.

D6Ideas liefert dann einen beinahe Machiavellischen Beitrag. Eine Abhandlung der Zeonischen Streitkräfte und der Wandel ihrer Strategie im Laufe der Zeit. Auch wieder toll, auch wenn ich das Setting nicht näher kenne, im Prinzip ist es eine Eroberungsstrategie.

Nicht zu vergessen ist dann der wohl kürzeste Beitrag von Sal:

Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern an dieser Stelle nochmals. Der Karneval hat mir und ich hoffe auch den Teilnehmern und Lesern viel Freude gemacht. Der Hauptteil der Artikel befasst sich meist mit der Taktik im Kampf. Ob dies nun immer vom Spielleiter berücksichtigt wird, werden sollte oder überhaupt berücksichtigt werden kann, mag dahin gestellt sein, dass man als Spielleiter aber Begegnungen interessant gestallten sollte, ist für mich selbstverständlich und alle Artikel liefern ganz praktische Beispiele oder man kann es aus ihnen  zwischen den Zeilen herauslesen.

Ein Nachtrag gab es bei D6 Ideas und auch ein Crossover zum aktuellen Karneval: Dämonische Massenvernichtungswaffen in The Red Star. Dabei geht es um den Raketenkomplex Grifon.

Und noch ein Nachtrag von dem Blechpiraten auf Richtig Spielleiten: Taktik im Rollenspiel. Er beschäftigt sich mit FATE und die Frage, ob Taktik dort möglich ist.

Und noch ein Nachtrag von Greifenklaue in dem GKpod. Hier werden tatsächlich ALLE Fragen aus dem Startartikel abgearbeitet und auch ALLE Beiträge, chapeau!

Ich übergebe, zwar etwas spät, die Staffel an Neue Abenteuer mit dem Juli Karneval Engel und Dämonen.

Silent Legions – Alternative zu CoC?

Silent Legions wurde nun fertig gekickstartert und ist für die normalen Kunden verfügbar. Grund genug genauer hinzusehen und zu prüfen, ob die Versprechen ein schickes neues Horror-Rollenspiel mit Lovecraftbezug herauszubringen, eingehalten wurden. In der Einleitung ist zu lesen, dass wir es hier mit einem auf sandboxing ausgelegten System zu tun haben, welches uns die Möglichkeit bietet einen eigenen Mythos, eigene Götter und eigene Alienrassen zu erschaffen. Daneben sollen wir leicht aus Fabeln und Sagen bekannte Monster ins Spiel konvertieren können. Kevin Crawford, der Herausgeber, wendet in Silent Legions eine bereits aus seinem frei verfügbaren Sci-Fi Rollenspiel Stars without Number bekannte Technik an: Kulte. Kulte sind eigentlich nichts anderes als Organisationen, die als Gegenspieler der Ermittler auftreten. Dabei haben diese eigene Ziele und entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weiter.

Nicht zuletzt weil man hier exzellent für andere System plündern können sollte, aber auch weil es sich als System sehr gut anhört, habe ich es mir einfach mal gegönnt und arbeite mich an den o.g. Punkten ab.
Silent Legions – Alternative zu CoC? weiterlesen

Strategie und Taktik im Rollenspiel

Dies ist der Startartikel zum Karneval der Rollenspielblogs für den Monat Juni. Im Forum findet man den eigens hierfür erstellten Thread. Wer wissen möchte, was es überhaupt mit dem Karneval auf sich hat oder wie er funktioniert, findet in diesem Thread alle Antworten.

Nun aber zum Thema dieses Karnevals: Strategie und Taktik im Rollenspiel. Jedes Rollenspiel hat einen strategischen oder taktischen Ansatz. Die Spielercharaktere werden mit einer Herausforderung konfrontiert, die sie lösen müssen. Das beinhaltet nicht nur Kämpfe, sondern soziale Interaktion oder das Vorbereiten einer Mission und auch das Beschaffen von Informationen. Um einen Beitrag für den Karneval zu schreiben, finde ich es immer hilfreich Beispiele zu haben, die mich vielleicht auf ganz andere Ideen bringen. Deshalb will ich folgend mal ein paar Fragen aufwerfen, die entweder  für einen Artikel übernommen werden können oder einem auf einen Gedanken bringen, den man vertextlichen kann.

Bei einigen Rollenspielen ist die Charakterentwicklung zentraler Bestandteil. Wie gehe ich bei der Erschaffung eines Charakters vor? Habe ich schon den großen Helden vor Augen bevor ich überhaupt das Abenteuer beginne oder passe ich ihn an den Erfordernissen des Abenteuers an? Übertragen auf die Gruppe: Spreche ich mich mit den anderen Spielern ab, wenn es beispielsweise um die Abdeckung von Fähigkeiten wie z.B. Wissensgebieten o.ä. geht? Und wie darf man untereinander kommunizieren? Innerhalb des Kampfes in Pathfinder sind nur wenige Wörter oder Sätze erlaubt, wie setzt man also vielleicht komplexe Manöver um? Ist die Kommunikation auf der Metaebene erlaubt? Wie sieht es mit der Nutzung von Zetteln oder Handynachrichten aus?

Und wie ist die Meinung der Spielleiter dazu?

Spielleiter haben höchstwahrscheinlich auch eine Methode, wie sie ein Abenteuer oder eine Kampagne planen. Wie halte ich meine Spieler auf Trab? Und welche Überlegungen sollte ich anstellen, wenn ich eine komplexe Welt erschaffen will? Gut, das beste Abenteuer taugt nichts, wenn die Spieler einfach kein Interesse für den Inhalt haben. Wie lautet Plan B, wie bringe ich Spieler dazu etwas zu machen und sollte man das überhaupt?

Nicht zu vergessen sind die kleinen Hilfsmittel wie der Bodenplan und Miniaturen; setze ich sie ein und wenn, wie? Welche Hilfsmittel zur Darstellung von Begegnungen nutze ich ansonsten oder stattdessen?

Das sind alles Dinge, die man mit Strategie und Taktik im Rollenspiel assozieren kann (und es gibt noch mehr). Was mich aber auch interessiert, sind Probleme. Spieler sind immer mit Problemen in Form von Quests, Aufgaben oder Rätseln konfrontiert. Gibt es mehr als eine Lösungsmöglichkeit, können die jeweiligen Ansätze unterschiedliche Konsequenzen haben: Ein Dilemma. Baut man dies manchmal gezielt in seine Abenteuer ein? Oder gibt es gar Systeme, die auf solchen Entscheidungen aufgebaut sind?

Auch die Geschichte des Rollenspiels ist interessant. War Games sind die Ursprünge vieler Rollenspiele und vielleicht hat der eine oder andere noch ein Exemplar der Chainmail Regeln bei sich rumliegen oder hat es selbst gespielt und kann etwas über die Entwicklung der Strategie von den damaligen Regeln bis zu den jetzigen Regelsystemen sagen. Und wie unterstützen Regeln überhaupt strategisches und taktisches Handeln, stehen sie dem gegenüber oder fördern sie es sogar?

Dieses Thema ist auch durchaus geeignet ein System an sich vorzustellen. Welche Systeme kommen für einen Einsteiger infrage, der Spaß daran hat, sich erst einmal vorzubereiten, bevor er auf eine Mission geht, welche Systeme bieten viele Möglichkeiten Begegnungen zu gestallten, auf welche Art sind diese vielseitig und wie läuft eine Begegnung überhaupt ab?

Ich hoffe, dass viele mit diesem Thema etwas anfangen können und würde mich über zahlreiche Beiträge freuen, die eine eigene Interpretation der Worte Strategie und Taktik im Rollenspiel zum Inhalt haben oder vielleicht einen genannten Aspekt weiter ausführen.

Ihr könnt eure Artikel, die an dem Karneval teilnehmen sollen, entweder zu diesen Beitrag verlinken, dann bekomme ich es per Trackback mit, oder ihr schreibt hier oder im Forum einen Kommentar mit Link oder #RSPKarneval auf Twitter, mal sehen, ob wir es zu einem Trend schaffen 😉

Teilnehmer:

Chaotisch Neutral – Über die Kunst des Krieges
Chaotisch Neutral – Vom Kriege
Chaotisch Neutral – Der Fürst
RPGnosis – Entscheidungen auf Charakter- und Spielerebene
1W6 – Angemessene Herausforderung, Gegnerstärke und Taktik
Engors Dereblick – Von Frontschweinen und Meisterstrategen
hoch ist gut – Taktik im Rollenspiel
Alles ist Zahl – Taktik im Rollenspiel – Drei Beispiele
De Malspöler – Taktik im Rollenspiel
D6 Ideas – Unknown Mobile Suit – Zeonische Streitkräfte und Strategie im Wandel der Zeit
D6 Ideas – Dämonische Massenvernichtungswaffen bei The Red Stars

Den wohl kürzesten Beitrag hat Sal von W6 vs. W12 via Twitter eingereicht. Ich erlaube mir, ihn in voller Gänze wiederzugeben:

Nachgereicht:
Richtig Spielleiten! – Taktik im Rollenspiel
Greifenklaue – GKpod #48 Strategie und Taktik