Archiv der Kategorie: Literatur

Ein Lied über Zensur – Halt den RANT

In diesem Blog soll es ja nicht um Rollenspielthemen gehen, wird es auch nicht. Es geht um die Dummheit der Menschen, über Rezensionen und Zensur auf Grund eines Vorfalles, der zwar mit Rollenspiel zu tun hat, aber in jedem anderen Bereich auch hätte stattfinden können.

Ich will gar nicht näher auf den zugrunde liegenden Fall eingehen, weil er unerheblich ist und sich auch längst geklärt hat. Allgemein kann man sagen, jemand hat eine Meinungsäußerung verfasst. Stilistisch zwischen Schmähung und unsachlicher Polemik einzuordnen. Und nein, es geht nicht um ein Programm eines öffentlich rechtlichen Senders. Es handelte sich bei dieser Meinungsäußerung auch nicht um eine Rezension, es war bestenfalls eine negative Kritik über die Verlagspolitik, konkret wurde die These aufgestellt: Es würden zu viele Bücher veröffentlicht und dem Kritiker beschlich das Gefühl, dass nur noch die Leidenschaft gieriger Sammler befriedigt würde. Jetzt dachte sich der Verlag vielleicht: Ok, wenn der Kritiker dieser Meinung ist, dann gehen wir davon aus, dass es keine konstruktiven Reviews mehr geben wird, weil man ja zu dem Schluss kommen könnte, dass jede neue Veröffentlichung des Verlags ohnehin als überflüssig bewertet würde. Oder der Verlag sieht sich, die Arbeit seiner Mitarbeiter und/oder die Kaufentscheidung seiner Kunden herabgewürdigt. Vielleicht hat auch nur ein Mitarbeiter einen schlechten Tag gehabt, als die Entscheidung fiel, den Kritiker von der Liste für kostenlose Rezensionsexemplare zu streichen.
WHAT? Und von diesem Vorgang wider der Meinungsfreiheit erfuhren wir wiederum nur durch einen journalistischen Coup des, nennen wir ihn dramatischer Weise doch, KRITIKERS, der den Vorgang auf seinem Blog ans Licht brachte. Was nun folgte, war die Empörung einer ganzen Nation. ZENSUR, ZENSUR wurde vor dem Reichstag und in den Foren skandiert, doch bevor ich hier weiter schreibe, eine kleine Einführung darüber was Zensur eigentlich ist, bevor sich noch mehr Leute lächerlich machen.

Wir machen es ganz einfach und zum Nachvollziehen für Hohlbratzen:
Auf Wikipedia steht:

Zensur (lateinisch censura) ist der Versuch der Kontrolle der Information. Durch restriktive Verfahren – in der Regel durch staatliche Stellen – sollen Massenmedien oder persönlicher Informationsverkehr kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.Oftmals wenden totalitäre Staaten die Zensur verschärft an.

Quelle: Wikipedia

Obwohl sich einige Forennutzer die Mühe gemacht haben, Wikipedia zu Rate zu ziehen, sind sie über das erste Wort nicht hinausgekommen. Das ist traurig aber die Aufmerksamkeitsspanne in der Bevölkerung sinkt. Also es geht um die Kontrolle der Information. Dies wird erreicht durch Kontrolle des Informationsverkehrs von Massenmedien oder aber auch von Personen. Im konkreten Fall wäre die Information die Kritik, oder formulieren wir es nicht aufwertend gemeint, der Blogbeitrag bzw. künftige Blogbeiträge.
Dieser wird aber nicht kontrolliert, auch wird kein Einfluss auf künftige Beiträge genommen. Aber konstruieren wir einmal einen Fall in dem der Entzug von Geschenken zu einer Beeinflussung der Meinung führen würde… mir fällt keiner ein. Ah doch, wenn sogenannte Geschenke dazu dienen eine Meinung in eine Richtung zu bewegen, würde aber gegen die Bloggerethik verstoßen.
Aber abgesehen von der Tendenz des Artikels, wäre es doch ein Eingriff in die Meinungsvielfalt und doch Zensur!? Wenn Artikel nur auf Grund von Rezensionsexemplaren entstünden, wäre es ja Zensur da keine Artikel mehr veröffentlicht würden, wenn es keine Rezensionsexemplare mehr gäbe!? Ernsthaft? Also wenn eine Firma ihr Werbebudget streicht ist das Zensur, weil weniger Werbung im Fernseher läuft? Die Konsumgesellschaft weicht anscheinend die Hirne auf. Verlage geben aus zwei Gründen Rezensionsexemplare heraus:

  1. Weil es Werbung ist, selbst negative Stimmen führen dazu, dass die Produkte bekannt werden. Einzig berechtigte Verrisse sind wirklich schlecht (Und nein, der erwähnte Blogbeitrag ist kein Verriss)
  2. Weil der Verlag Feedback zu seinen Produkten erhält.

Wie die Gewichtung ist, ist von Verlag zu Verlag unterschiedlich. Allerdings sind Verrisse selten und selbst wenn es zu einem solchen kommen sollte, wäre es fraglich, ob der Rezensent keine Exemplare zur Begutachtung mehr bekommen würde.
Letztendlich sind Blogs nichts anderes als Litfaßsäulen, die mit selbst erstellten Anzeigen zugekleistert werden und die Blogger übernehmen diese Aufgabe auch gerne. Eine win-win-Situation, was dem einem Content ist dem anderen Marketing. Wenn jetzt, aus welchen Gründen auch immer, ein Verlag jemanden von seiner Liste für Produktproben streicht, ist dies keine Einflussnahme auf Inhalte, im schlimmsten Fall würde der Blog keine Kritiken zu der Produktreihe mehr veröffentlichen. ABER ich als Kunde habe das Recht auf Rezension! Nein! Man hat ein Recht darauf richtig vom Verlag über dessen Produkte aufgeklärt zu werden, man hat aber kein Recht darauf, dass ein Dritter mir seine Meinung zu dem Produkt mitteilt. Wohingegen man ein Recht darauf hat, seine Meinung zu einem Produkt zu äußern. Letzteres wurde nicht angegriffen.

Ein schlagendes, wenn nicht sogar totschlagendes Argument ist, dass so eine Praxis des Verlages beweisen würde, wie fern man doch seinen eigenen Kunden sei. Als ob man mit solchen Aussagen an die Kunde ist König oder Tyrann Mentalität appelliert und meint, ein Unternehmen gäbe dann sofort klein bei. Ist wie mit einigen Kindern: Wenn du mir die Süßigkeiten wegnimmst, hast du mich nicht mehr lieb! Ehrlich gesagt, wer jemanden vor die Stiefel scheißt, sollte keinen Arschkuss erwarten. Wer eine Aussage trifft die sich so ließt, als wären die Verleger geldgeile Säcke die keinen Anspruch an ihre Produkte stellen, darf sich auch nicht über eine entsprechende Reaktion wundern. Und nur weil ich ankündige jetzt mache ich nur Spaß, muss es nicht jeder lustig finden. Wer jetzt mit Böhmermann kommt zieht ne Schelle! Das dahinterliegende Problem erkenne ich. Es ist wahrscheinlich nicht mal böse Absicht. Leider nutzen immer häufiger Leute Ironie, Sarkasmus und fangen an zu polemisieren ohne dies als dezent eingesetztes Stilmittel zu verwenden. Dass dies aber nicht überall gleich gut ankommt, dürfte bereits bekannt sein, das Netz ist kein geeigneter Ort für Ironie, vor allem wenn sie nicht mal gut ist. Was ist aus den Zeiten geworden, als man seine Meinung ohne Überspitzungen vertrat und sie sachlich begründete? Dieser Text ist auch ein negativ Beispiel.

 

Buch vs. eBook

Buch vs. eBook

Heute war er in der Post: Mein neuer eBook Reader. Der alte war zwar noch in Ordnung, aber der Bedienkomfort konnte verbessert werden. Als ich mir vor ein paar Jahren meinen alten Reader kaufte, fragte ich mich, ob mir so ein Ding überhaupt nach Hause kommt. Nicht nur wegen Überlegungen, den lokalen Handel etc. zu unterstützen, auch wegen rein technischer Bedenken und auch aus ästhetischen Gründen. Bücher sehen nun einmal besser aus. Um das Weltanschauliche vorweg zu nehmen, den lokalen Buchhandel werde ich nicht retten können, davon bin ich überzeugt. Ich glaube auch nicht, dass es das Ende der Zivilisation wäre, wenn es weniger Buchhandlungen gäbe, aber das ist ein anderes Thema. Über die Technik machte ich mir damals mehr sorgen. Ein Buch kann man einfach lesen für einen eReader braucht man Strom, ein Netz und empfindlicher ist er auch. Aus heutiger Sicht war das eher unbegründet. Klar, ich brauche Strom, aber ich muss ihn nicht permanent aufladen. Der verbaute Akku hält ziemlich lange, er wird durchaus im Laufe seines Lebens immer schwächer, eine Woche hält er aber noch bei häufiger Nutzung durch. Ohne Licht kann ich auch kein Buch lesen, auch hier gibt es Einschränkungen. Ein Netz brauche ich überdies nur dann, wenn ich neue Inhalte haben möchte. Allerdings auch, wenn ein Firmware Update ansteht, kommt zwar nicht sehr oft vor, kann aber mal sein. Zuhause kein Problem unterwegs schon eher, hier muss man aber bedenken, dass man die Netzverbindung nur braucht, um neue eBooks zu laden. Im Urlaub hat man auch nicht alle Bücher bei sich oder kann sie überall kaufen, von daher ist es ausgeglichen, mit leichten Vorteil für den Reader, dort passen nämlich einige Bücher mehr drauf als in einen Koffer reinpassen.
Ein Buch braucht man nicht updaten, es geht auch nicht kaputt, wenn es mal herunterfällt. Allerdings gibt es einen massiven und gewichtigen Vorteil für das eBook und den eReader. Ich kann auf diesen kleinen schwarzen Ding mehr eBooks unterbringen, als Bücher in meinen Regalen. Das Platzproblem ist nicht zu verachten. Ich liebe Bücher, sie schaffen ein angenehmes Klima, dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass man als Bibliophiler über die Jahre einiges an Büchern zusammenträgt.

Was sind aber wirkliche Nachteile des eReaders? Die Vielzahl an Systemen! Ich betrachte das Ganze aus Sicht des Kunden. Für meinen eReader bin ich mehr oder weniger auf den Shop des Anbieters festgelegt. Möchte ich ein eBook mit anderen Format lesen, ist das nicht so einfach. Sollte ich mich für einen eReader eines anderen Herstellers entscheiden, kann ich mir im Zweifelsfall alle eBooks neu kaufen… Nein! Brauch ich nicht, man kann die Formate größtenteils umwandeln, ist aber mit Arbeit verbunden. Arbeit die man sich als Kunde gerne sparen würde. Die Frage ist auch, wie lange ich Zugriff auf meine Inhalte habe? Das hängt zum einen vom Fortbestand des Anbieters meiner eBooks ab zum anderen, dass der Anbieter mir Zugang zu meinen Inhalten gewährt. Sprich, wenn der Anbieter Pleite geht oder aus welchen Gründen mein Kundenkonto sperrt, kuck ich auf ein leeres Display. Inhalte können nachträglich auch geändert oder gelöscht werden, auch wenn die Anbieter versprechen dies nicht (mehr) zu tun.

Für mich überwiegen die Vorteile. Dabei sind es meist Klassiker oder selbst publizierte Werke, die den Weg auf meinen eReader finden, Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Lektüre die ich mag, habe ich zusätzlich zum eBook ohnehin als physisches Buch. 100% Zufrieden bin ich aber nicht.

Like an Alien – Schönheitsideale im Kosmos

Inspiriert wurde ich zu diesem Artikel von Ryan Britt von Inverse. Im Prinzip geht es in seinem Artikel darum, warum Aliens so aussehen, wie sie aussehen. Und nicht ganz überraschenderweise liegt die Antwort in unserer Fantasie: Die wenigsten dürften einen Außerirdischen zu Gesicht bekommen haben.

Alien Prometheus
Foto: 20th Century Fox / Prometheus

In erster Linie schreibe ich hier also nur von Theorien, wie etwas sein könnte, was es nicht einmal bewiesenermaßen gibt. Wow. Und wenn wir über so etwas schreiben oder uns über so etwas Gedanken machen, spielt immer auch die Psychologie eine Rolle. Wie stellen wir Außerirdische dar? Ekelhaft, bedrohlich oder auch mal klein und knuddelig? Da hängt davon ab, was wir mit ihnen ausdrücken wollen. In der Quadrologie Alien erwarten wir eine ernsthafte Bedrohung und bekommen sie dann auch geliefert. Star Trek versucht logisch an die Sache zu gehen: Leben dürfte sich überall gleich entwickelt haben (wenn es sich denn außerhalb der Erde entwickelt hat), also dürfte es Dinge geben, die immer von Vorteil sind: Der aufrechte Gang, Arme, Beine und Finger zum Beispiel. Das in Star Trek 90% aller Völker aber wie Menschen mit minimalen Unterschieden aussehen, ist wiederum unwahrscheinlich. Star Trek möchte zeigen, dass wir in Zukunft mit einer Vielzahl von Völkern friedlich zusammenleben können, Schleim ist da nicht so schön.
Uns bleibt letztendlich nur die Vorstellung.

Alien

Da wir in absehbarer Zeit also kein Alien sehen werden, können wir uns vielleicht ein Bild von uns machen- in 100.000 Jahren zum Beispiel. Und das ist kein Witz. Die Methode basiert grob auf der Gesichtsrekonstruktion wie sie in der Forensik oder aber in der Archäologie Verwendung findet. Erstaunlich ist dabei, dass sich der menschliche Schädel so verformt wie bei kleinen grauen Männchen, die für uns ein Symbol für Außerirdische geworden sind.

Natürlich ist nichts sicher, schon gar nicht, ob wir in 100.000 Jahren noch existieren. Trotzdem ist es schon erstaunlich, dass wir graue Männchen mit hoher Stirn und großen Augen als Ikone für außerirdisches Leben nehmen und wir Menschen uns genau dorthin entwickeln. Oder hatte der Forscher das Bild von dem grauen Alien so sehr im Kopf, dass wir uns nur deswegen in diese Richtung entwickeln?

Cheers

 

Frankenstein

Dies ist ein Beitrag zum Oktober Karneval der Rollenspielblogs zum Thema Roboter Golems & Kunstwesen. Den Einleitungsartikel findet man bei Clawdeen. Im Forum der RSP-Blogs ist hier der Thread.

Logo RSPKarneval

Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist ein Roman von Mary Shelley aus dem 19. Jahrhundert. In dem Roman geht es um Viktor Frankenstein, der den Tod überwinden will bzw. neues Leben erschaffen möchte. Durch die Kreatur, die er erschafft, beweist er, dass dies möglich ist; gleichzeitig wird seine Kreatur zum Monster, welches er buchstäblich bis ans Ende der Welt jagt.

Literarische Bedeutung

Das Motiv aus dem Nichts Leben zu erschaffen, ist nicht neu. Man könnte sogar den Golem des Rabbi Löw als Vorgeschichte sehen. Wurde der Golem aus Lehm und nur mit Atem also Wörtern erschaffen und kommt dem Schöpfungsprozess der jüdisch/christlichen Glaubenslehre gleich, wird das Monster von Frankenstein durch Wissenschaft und Technik produziert. Hier ist der Wandel der Gesellschaft deutlich zu erkennen. Die westliche Welt entfernt sich von einer landwirtschaftlichen geprägten Gesellschaft hin zu industriellen Nationen. Auch Lovecraft nimmt sich dieser Thematik in Herbert West: Reanimator an. Herbert West ist eine Erzählung, die Lovecraft als Parodie auf Frankenstein schrieb und die er selbst als schwaches Werk bezeichnete. Dem will ich nicht widersprechen, aber der Reanimator hat zumindest eines erreicht, er schließt die Lücke zum Zombie-Genre

Issac Asimov führt den Kern von Mary Shelleys Geschichte mit seiner 1950 erschienenen Kurzgeschichtensammlung I, Robot fort. Der Mensch lebt hier Seite an Seite mit den modernen Monstern Frankensteins und hat immer noch Ängste aber auch Hoffnungen. Hieraus entstehen philosophische Fragestellungen wie: Was ist Leben und was ist Persönlichkeit.

Der Archetyp des verrückten Professors

Viktor Frankenstein ist der Urvater der verrückten Professoren, zumindest in literarischer Hinsicht. Er ist intelligent und wissenshungrig. Er beginnt ein Studium der Naturwissenschaften in Ingolstadt. Durch seinen Ehrgeiz wird er paranoid. In sich gekehrt und alleine vertieft er sich in seine Arbeit, er forscht, er liest metaphysische Schriften und wissenschaftliche Abhandlungen und überschreitet Grenzen.

Colin Clive als Dr. Frankenstein aus Frankenstein 1931
Colin Clive als Dr. Frankenstein aus Frankenstein 1931

Dieser Typus eines Wissenschaftlers lässt sich nicht durch Normen des Zusammenlebens, Ethik oder Gewissen aufhalten. Sein Ziel ist für ihn ehrenwert, wie Prometheus bringt er den Menschen das Feuer um Zivilisation und Fortschritt zu gewähren. Prometheus erschuf aber auch den Menschen und gilt als Freund der Menschheit. Dies ist das Selbstbildnis, es weicht durchaus von dem Empfinden anderer Menschen ab. Die Ernüchterung Frankensteins kommt später. In ihm wachsen Schuldgefühle und die Unfähigkeit über seine Taten (die er vielleicht als Sünde, vielleicht als Verbrechen wider der Natur sieht) zu sprechen und sie zuzugeben, was ihn immer mehr isoliert. Aus diesen Schuldgefühlen und aus Mitleid verspricht er seinem Monster eine Gefährtin zu erschaffen. Im letzen Moment aber überkommen ihm Zweifel und er vernichtet das zweite Monster.

Verrückte Wissenschaftler sind gar nicht so verrückt. Zwar wird der Figur Viktor Frankenstein eine Schizophrenie attestiert, allerdings dürfte Mary Shelley ihre Figur einfach nur mit Ehrgeiz und der Fähigkeit zur Reflexion ausgestattet haben. Was sich daraus entwickelt, ist Literatur und kein Krankheitsbild.

Frankensteins Monster
Boris Karloff als das Monster in Frankensteins Braut 1935
Boris Karloff als das Monster in Frankensteins Braut 1935

Wer ist eigentlich das Monster?
Die Kreatur, die Frankenstein erschafft, ist primitiv, hässlich und doch irgendwie menschlich. Sie tötet; erst den kleinen Bruder von Viktor später seinen Freund. Der kleine Wilhelm Frankenstein stirbt, weil das Monster Angst hat und es sich über seine Kraft nicht im Klaren ist, Frankensteins Freund stirbt wegen des Zorns und der Enttäuschung des Monsters über das Scheitern ihm eine Gefährtin zu erschaffen. Alles sind Gefühle, die tief im Menschen liegen. Und am Ende zeigt sich noch eine weitere menschliche Regung. Als Viktor stirbt, trauert die Kreatur, gleich einem Sohn der um seinen Vater trauert.

Das Monster ist die tragische Figur der Erzählung. Hineinproduziert in eine es ablehnende Welt, weder hatte es eine Wahl noch gibt man es eine Chance. Selbst die Bauernfamilie, der die Kreatur hilft, fürchtet sich vor seinem Anblick und es muss fliehen. Das Monster ist Frankenstein, seine Kreatur und auch die Gesellschaft, alle auf ihre Arten.

Horror und Popkultur

Mary Shelleys Schauergeschichte wurde mehrmals verfilmt. Erstmals 1910. Hängengeblieben sind aber wahrscheinlich die Filme aus den ’30ern.  Boris Karloff und die unverwechselbare Optik seiner filmischen Interpretation des Monsters haben für immer unsere Vorstellung geprägt. Literarisch gesehen hält sich nur der zweite Teil Frankensteins Braut von 1935 einigermaßen an die Vorlage von Mary Shelley. Viel werkgetreuer ist der 1994 erschienene Film Mary Shelleys Frankenstein mit Robert DeNiro als Monster und Kenneth Branagh als Victor Frankenstein.

Warum uns Frankenstein und seine Schöpfung gruselt, kann zum einen daran liegen, dass wir Angst vor der Wissenschaft haben bzw. an ihren Auswüchsen. Dies war in der Vergangenheit stärker ausgeprägt. Gentechnik und Stammzellforschung sind heute nicht mehr furchteinflössend sondern werden lediglich kritisch und unter ethischen Gesichtspunkten betrachtet. Der Mensch ist im wahrsten Sinne des Wortes erwachsen geworden. Der Schauer entspringt dann eher der Abscheulichkeit der Beschreibung des Monsters, seiner übermenschlichen Kraft und der Wildheit seines Geistes. Die Angst vor dem was nicht sein kann und nicht sein darf ist es, die uns gruselt.

Foto von Derrick Tyson: Frankenstein's 'Monster' unter CC BY 2.0 Lizenz
Foto von Derrick Tyson: Frankenstein’s ‚Monster‘ unter CC BY 2.0 Lizenz

Frankensteins Monster ist in die Popkultur eingegangen, in einem positiven Sinne. Herman Munster aus der ’60er Jahre Serie The Munsters ist die Verkörperung des grobschlächtigen Monsters mit dem Herzen am rechten Fleck. Kaum eine Halloweenparty ohne die typische Monstermaske.

1996 brachte Interplay das Spiel Frankenstein – through the eyes of the monster heraus. In diesem Point-and-Click Adventure wird die Flucht des Monsters nach dessen erwachen nachgespielt. Tim Curry wird als Frankenstein in das Spiel hineinimplementiert, sehr witzig und zur damaligen Zeit für einige Spiele üblich. In diesem Spiel nimmt man die Rolle des Monsters ein, welches fliehen muss. Der Wandel zur mitleiderregenden Kreatur ist damit endgültig vollzogen und die Schauergeschichte ist mehr zu einem Drama, welches aus Missverständnissen erwächst, umgewandelt.

Bezug zum Rollenspiel

Gibt es einen Bezug zum Rollenspiel? Ganz klar: Ja! Die Grundidee der Erzählung ist ja nichts anderes als, dass ein böser Wissenschaftler/Magier etwas Böses erschafft und damit Menschen bedroht. Dieser Plot dürfte in vielen Abenteuern so oder in Variationen vorkommen. Leider werden dann Monster und Erschaffer als reine EP-Bringer verheizt. Wie man NSC’s mehr Tiefe verleiht, hatten wir schon im RSP-Karneval aus dem Juli ’14. Besonders würde ich da vielleicht noch einmal Engors Dereblick Beitrag vom Klischeeschurken nennen.

In eine Fantasysetting ist es dann auch leichter, eine feindlich scheinende Monstrosität anzusprechen und sie als Helfer einzuspannen. Die Wünsche des Monsters sind auch nicht so weit hergeholt: Eine Gefährtin und ein Leben in Abgeschiedenheit.  Anders sieht es in einem Horrorsetting aus, den selbst wenn die Ermittler über Mitleid verfügen, dürfte der Anblick der Kreatur sie verängstigen. Interessant wäre hier, wenn die Kreatur den Ermittlern aus dem Verborgenen hilft und es vielleicht zum Ende zu einem Showdown kommt, bei dem die Ermittler Eins und Eins zusammenzählen müssen und sie die Kreatur entweder als Freund erkennen oder es bekämpfen.

Abgesehen von diesen Plotwendungen ist das Monster eine Kreatur von minderer Intelligenz, es wird hauptsächlich von Trieben geleitet und verfügt über unmenschliche Kraft und Körpergröße. Aus der Erzählung weiß man zudem, dass Frankensteins Schöpfung sich zumindest vegetarisch ernährt und kein Lamm oder Zicklein verspeist. Auch wenn das Monster primitiv ist, ist es doch auch menschlich, Empathie, Mitgefühl und Liebe sind ihm daher nicht vollends fremd.

Das Aussehen variiert. In der Geschichte hat es ein relativ normales Aussehen. Wie ein entstellter Mensch, dies könnte auch Ursache eines Unfalles sein. Mit der Verfilmung von 1910 nimmt es dann eine unheimlichere Form an: Krallen und ein eher ghoulisches Äußeres.

Bis es in den ’30ern sein popkulturelles Erscheinungsbild erhält.

Wie das Monster erschaffen wird, ist in der Geschichte nicht exakt beschrieben. Frankenstein nutzt hierfür Fleisch, welches er vom Fleischer bekommt. Im 1910 erschienenen Film, ist es Alchemie und erst in späteren Filmen nimmt er dafür Teile geschändeter Leichen, zweifelsohne um den Horrorfaktor zu steigern. Auch der Blitz bzw. die Elektrizität ist eine Interpretation der Filmindustrie, die durchaus logisch ist.

Die Elektrizität würde auch in allen gängigen CoC Epochen Sinn ergeben. Bereits 1780 entdeckte Luigi Galvani, dass Muskeln auf Strom reagieren. Von dieser Zeit an wurde Strom als Teil des Lebens betrachtet bzw. für dessen entstehen verantwortlich gemacht. Selbst in modernen Settings ist es nicht von der Hand zu weisen,  dass Ermittler auf die Idee kommen, mit Strom Herzen wieder zum Schlagen zu bringen. Im Fantasysetting eignet sich dann allerdings das mystisch/alchemistische Szenario eher als Hintergrund.

Frankenstein ist eine gute Geschichte, die wie auch der Golem gut für eine kleines Rollenspielintermezzo eignet.

Links

Frankenstein als Lesung auf LibriVox
Der Text bei Projekt Gutenberg in deutsch
Der Text bei Project Gutenberg im englischen Original

Thematisch passende Abenteuer

folgt…

De Profundis – Ein Briefrollenspiel

Ich wollte eigentlich schon ewig lange einen Beitrag zu De Profundis schreiben, aber irgendwie kam ich nie dazu. Da ich dieses Thema auf meiner ToDo-Liste bei der Cthulhu Wiki angegeben habe, neben vielen anderen Sachen, die ich immer mal schreiben wollte, aber nie dazu kam, nutze ich doch die Gelegenheit und arbeite mich an meiner eigenen Liste ab. In Fachkreisen nennt man so etwas wohl effektiv oder zielgerichtet.

De Profundis – Ein Briefrollenspiel

Erdacht wurde das Spiel von dem polnischen Designer Michal Oracz und erschien 2001 bei Hogshead Publishing in englischer Sprache. 2003 erschien die von Ralf Sandfuchs ins Deutsche übersetzte Ausgabe bei Krimsus KrimskramsKiste.

Die aktuelle 2. Edition wurde 2009 von Cubicle 7 Entertainment auf Englisch veröffentlicht.

Der original polnische Herausgeber für beide Editionen ist Wydawnictwo Portal.

Aufbau des Buches

Bei beiden Editionen ist die Art des Aufbaus identisch. Der Leser wird anhand von Briefen an die Regeln, oder besser an die Art zu spielen, herangeführt. Während in der 1. Edition Michal Oracz in den Briefen immer mehr den Bezug zur Realität verliert und somit eine Form eines möglichen Spielverlaufs aufzeigt, wird in der 2. Edition wesentlich stärker auf mögliche Inhalte eingegangen. Die 1. Edition ist daher etwas düsterer und atmosphärischer, während die 2. Edition informativer ist.

Inhalt und Art des Spiels

Ob es sich nun um ein klassisches Rollenspiel oder ein Psychodrama in Briefform handelt, hängt wohl von den Personen ab, die es spielen.  Es gibt hierbei kein Richtig oder Falsch, eben sowenig wie es niedergeschriebene Regeln gibt. Wie sich das Spiel oder der Briefwechsel entwickelt wird entweder durch einen von vornherein abgesteckten Rahmen der Beteiligten bestimmt oder man reagiert auf erhaltene Briefe wie es einem persönlich angemessen erscheint.

Grundsätzlich hat dieses Spiel einen Bezug zu Lovecrafts Werken und dem Pen&Paper Rollenspiel Call of Cthulhu. Somit ist der Wahnsinn und das Abdriften in geistige Umnachtung Thema der Korrespondenz. Während in einem Pen&Paper der Wahnsinn auch seinen Platz finden kann, geht es bei De Profundis um die Beschreibung des Seelenlebens des Spielers bzw. seines Charakters und zwar ohne Einfluss durch einen Spielleiter. Dies wäre eine Interpretation der 1. Edition.

Die 2. Edition erweitert dies um einige Aspekte des Pen&Papers. So sind hier Tabellen für Charakterwerte und Themen zum auswürfeln vorhanden. Der Einstieg auch Kampagnen zu spielen, die eher in den Bereich des klassischen Pen&Papers fallen, ist somit leichter.

Fiktiver Anlass für einen derartigen Briefwechsel können Verschwörungstheorien, gemeinsame Erfahrungen oder Träume sowie der Wunsch nach Offenlegung verstörender Wahrheiten a la Lovecraft sein.

Der Reiz des Spiels entsteht durch die scheinbare Authentizität des Geschriebenen. Insbesondere bei der äußeren Form gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Von handschriftlich abgefassten Briefen bis zum Umschlag im Umschlag oder künstlich gealterten Briefpapier. Das Konzept ist auch auf elektronischen Datenaustausch übertragbar (Mail, Messenger Nachricht etc.).

De Profundis und Literatur

Das De Profundis einen Bezug zu Lovecraft und damit zur Literatur hat, rein inhaltlich, wird in den Büchern von Oracz klar. Der Briefwechsel weist aber auch Ähnlichkeiten zu den Briefromanen auf. Hier wird häufig Dracula¹ von Bram Stoker genannt.

Der Begriff De profundis stammt aus dem Psalm 130  der Einheitsübersetzung der Bibel bzw. Pslam 129 der Vulgata: „de profundis clamavi ad te Domine“ („aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.“)² und wird üblicherweise als Totengebet verwendet oder aber in Zeiten innerer Konflikte sowie äußerer Not. Beispielhaft ist hier De Profundis³ von Oscar Wilde zu nennen.

Quellen

Portal Games – De Profundis (poln.)
Wikipedia – De Profundis (dt.)
Wikipedia – De Profundis (engl.)
¹Bram Stoker – Dracula (Dieter Wunderlich, Rezension dt.)
²Bibel-Verse.de – Pslam 129
³Oscar Wilde – De Profundis (Wikipedia, dt.)
Oscar Wilde – De Profundis (Project Gutenberg, gekürzt, engl.)