Sandbox vs. Railroaden

Keine Sorge, dies wird kein gebashe oder gehype der einen oder anderen Variante. Ehrlich gesagt, fehlt mir dafür auch eine eindeutige Definition. In den letzten Tagen habe ich viele Blogs gelesen, deutschsprachige und von den amerikanischen Kollegen, aber eindeutige Aussagen was nun das eine oder andere ist, habe ich nicht gefunden. Vielfach wurden nur die Mängel eines Systems dargestellt um sich für das andere auszusprechen.

Ganz einfach gesagt und zum Verständnis: Sandboxing ist eine Art Pen&Paper zu spielen, in der die Charaktere die Möglichkeit haben, alles zu tun und zu lassen was sie möchten. Verglichen mit einem Computerspiel wäre es eine Welt, in der es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt. Railroaden ist ein gescripteter Plot. Eine lineare Questfolge die zum Ziel führt. Jedes abweichen vom Pfad führt in eine Sackgasse oder ist schlicht nicht möglich.

Das ist aber eine ziemlich einfache Beschreibung, die es anscheinend nicht voll erfasst. Die meisten die Pen&Paper spielen, spielen es weil sie die Illusion lieben, dass ihre Charaktere alles erreichen können. Daher könnte man davon ausgehen, dass nur eine Sandbox richtiges und eigentliches Rollenspiel ist. Bevor ich das jetzt aber so stehen lasse, muss ich auch sagen, dass viele die ihre Abenteurer oder Ermittler in Golarion oder Arkham absetzen, eine Herausforderung suchen. Diese Herausforderung besteht für einige nicht darin, quer durch die Landschaft nach Abenteuer zu suchen, nein ganz bequem möchten einige in einen Plot eingeführt werden: Aufgaben a la Carte. Ich habe es noch nie erlebt, dass die Gruppe von einen marodierenden Orkstamm oder merkwürdigen Ereignissen in einem abgelegenen Haus erfahren hat und sich dann dazu entschloss, einfach weiterzuziehen. Einen Anfang zu haben ist noch nicht railroaden. Doch so richtig Sandbox ist es auch nicht.

Wir sind mittlerweile 7 Spieler, drei davon leiten abwechselnd. Ich habe meistens selbstgeschriebene Abenteuer, wobei ich alles mögliche verwurste was ich finde. Es gibt ein Problem in meinen Abenteuern, welches irgendwie gelöst werden muss. An sich ist das alles was ich brauche.

Was zählt, ist den Spielern die Freiheit der Entscheidung zu lassen oder deren Illusion. Ein DM kennt die Spieler und welche Charaktere sie spielen. Es ist nämlich erstaunlich, dass die Charaktere der Spieler immer ähnlich sind (bis auf lobenswerte Ausnahmen, die ich als wirkliches Rollenspiel betrachte). Einem Paladin ist immer an einer gerechten Ordnung gelegen, der Magier A strebt nach neuen Sprüchen und Macht, der Schurke B will Reichtum und sich selbst verbessern. Um sie ins Boot zu holen, muss man ihnen das bieten, was sie sich erträumen, mit der Karotte vor der Nase folgen sie jeder Schiene. Ist das unfair oder schlecht? Nein! Als DM habe Schwierigkeiten den Spielern einen Sandkasten vorzusetzen, weswegen ich zwar eine Welt für die Spieler entwerfe, sich diese auch ohne Spielercharaktere weiter dreht, aber sofern die Charaktere nicht agieren kann diese Welt auf sie nicht reagieren. Eine Sandbox ist meiner Ansicht nach nur möglich, wenn die Spieler daran aktiv teilnehmen. Und das können sie in meinen Plots. Oder könnten es zumindest, wenn sie es denn wollen. Es macht mir als DM nämlich Spaß, wenn die Charaktere unkonventionell handeln oder sie Lösungen finden, an die ich nicht gedacht habe.

Ein Problem welches ich jetzt als Spieler erlebe ist nämlich, dass meine Gruppe bei Königsmacher alle Freiheiten hat, aber wir planlos sind. Das beruht aber nicht auf dem Stil des DMs, sondern an uns selbst. Es gibt also Spieler, die eine bestimmte Art des Spielens bevorzugen oder zumindest besser damit zurecht kommen. Die Lösung ist immer in der Gruppe zu suchen. Jeder in der Gruppe hat eine bestimmte Rolle auszufüllen, die wichtigste ist es wohl einen Plan zu haben wohin die Reise geht.

Sandbox oder Railroad sind Stilmittel des DMs, die keinen Spieler bewusst werden sollten und daher nur hinter dem Sichtschirm eine Bedeutung haben. Auch hier gilt: Man sollte so oder so einen Plan haben.

Links zum Thema
Sandbox – Wir spielen wieder im Sandkasten via Teilzeithelden
Railroader oder Sandboxer via Richtig Spielleiten
Beitrag im Forum Aktion Abenteuer
Sandbox? Nein Danke! via 3faltige Rollenspiel Lektüre
Abenteuer Übersicht via Ace of Dice
Die ewige Railroading-Diskussion via Mettstübchen
Sandbox vs. Guided via Tobold’s Blog


2 Gedanken zu „Sandbox vs. Railroaden“

  1. Beim Sandboxing muß man seine Spieler dazu erziehen, auch mal was seien zu lassen – was zwar manchmal die eigenen Vorbereitungen obsolet machen kann, aber dafür ganz neue Wege öffnet. Wer wirklich Spieler hat, die nur auf den Abenteueraufhänger warten, der muß ihnen einfach mindestens drei Abenteueraufhänger gleichzeitig vor die Nase hängen… dann müssen sie sich entscheiden… 😉 Oh, und die Spieler müssen Info haben, die sie auch nutzen können…

    1. Hm, ja egal wie man spielt, es kommt auf das Miteinander des DM und der Spieler an. Ich habe zwar meist nur einen Aufhänger, allerdings fallen immer Sidequests an, die dann sozusagen zu Aufhängern werden können, wenn die Gruppe es denn fokusiert. Vielleicht sollte ich aber grundsätzlich mehrere Aufhänger anbieten, die sich im weiterem Verlauf des Abenteuers ausschließen, wie z.B. bei dem Film *Für eine Handvoll Dollar*. Wo sich die Gruppe für einen Weg entscheiden kann und das den gesamten Verlauf des Abenteuers beeinflusst. Hat vielleicht nur indirekt mit Sandbox und Railroads zu tun, aber die Idee kam mir nur gerade 😉

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