Historische NSCs

Dies ist ein Beitrag zum Juli Karneval der Rollenspielblogs zum Thema Lebendige NSCs. Den Einleitungsartikel findet man bei Engor. Im Forum der RSP Blogs ist hier der Thread

In dem vorherigen Artikel zum Thema habe ich geschrieben wie ich mit wenigen Sätzen einen NSC bauen kann. Doch nicht jeder NSC braucht einen derartigen Unterbau. Wie im richtigen Leben, werden die Spielercharaktere nicht jeden auf der Straße ansprechen. Und selbst wenn, ein NSC der nichts zu sagen hat, hat nichts zu sagen. D.h. Biografie und Motivation spielen keine Rolle. Geht man selber durch die Straßen einer fremden Stadt und fragt Menschen, wo sich der Laden XY oder sich der Dorfälteste befindet, erhält man eine Antwort aber kaum die Lebensgeschichte der Person. Ein wenig Smalltalk ok, da eignen sich am Besten Wetter und Tratsch, aber aufgemerkt: Spieler wittern mitunter überall Gold und Erfahrungspunkte, haut man als DM so etwas heraus, sollte man auf alles vorbereitet sein…

Ein typischer NSC im Fantasybereich ist die Stadtwache/Lagerwache/Wache-an-sich. Die Spieler wissen: Ah, die Infotafel. Es ist natürlich schade, dass diese Art der NSCs grade zu hingerotzt wirkt, es ist aber auch verständlich. Spieler nehmen von solchen NSCs keine Notiz (nehmen sie nicht ernst) und der DM will dann nicht auch noch Energie in die Ausarbeitung verschwenden. Hier gibt es die Möglichkeit spielerisch damit umzugehen, man lässt immer die gleiche Wache auftauchen, in jeden Abenteuer, als Running Gag sozusagen. Walther de Guard wäre so ein NSC, die Spieler können mit ihm interagieren und über das Geschehen seit der letzten Begegnung plaudern: er erhält durch das Spiel selbst Tiefe.

Eine Frage, die sich mitunter in Cthulhu ergibt ist aber eine ganz andere. Wie spiele ich historische Persönlichkeiten aus? Man braucht sich dabei um die Biografie und die Motivation eher keine Gedanken machen, gerade ein Blick auf Wikipedia oder eine Recherche im Netz gibt einige gute Infos, allerdings findet man nicht immer etwas über die Persönlichkeit und das Verhalten.

Klischees reiten
Es ist schwierig Spieler- und Charakterwissen zu trennen. Eine Möglichkeit ist dann, es gar nicht erst zu versuchen. Albert Schweitzer als Beispiel, den die Spieler in Gabun, Frankreich oder Schweden begegnen könnten, ist ein durch und durch ethischer Mensch. Wenn die Spieler ihn z.B. in Französisch-Aquatorialafrika begegnen, würde er ihnen medizinische Versorgung gewähren. Er ist auch Theologe und somit vom christlichen Weltbild geprägt, wie er also auf den Mythos reagieren würde, kann nicht beantwortet werden, weswegen er selbst nie Kontakt mit ihm haben sollte, allenfalls könnte er aus der einheimischen Bevölkerung diesbezüglich Geschichten kennen, die er als Aberglauben abtun würde.

Sollte er dennoch den Schrecken sehen, besitzt er genug geistige Stabilität, um dies ohne weiteren Schaden zu überstehen. Seine Weltsicht wird nicht erschüttert, sondern gestärkt ohne in einem irrsinnigen Fundamentalismus zu münden. Seine Biografie gibt es einfach nicht her.

Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will

Überraschungen bereithalten
Und weil man Spieler- und Charakterwissen nicht trennen kann, zumindest nicht in den Köpfen, sind Überraschungen mitunter sinnvoll. Nehmen wir Franz Kafka als Beispiel. Man kennt vielleicht seine Werke, denkt an einen sensiblen und feinfühligen Menschen. Nun wird man aber als Spieler mit einem bürokratischen, gelangweilten Versicherungsmenschen konfrontiert, dem seine Arbeit ankotzt und nur das Nötigste tut. Hinweise darüber welche Einstellung er zu seinem Beruf hatte, gibt es in seiner Biografie. Auch könnte seine Art zu schreiben, der Versuch sein mit dem Mythos fertig zu werden. Die Spielercharaktere dürften seine Werke allerdings kaum kennen, wurde er doch erst längst nach seinem Tod von der Masse gelesen.

Auch bietet sich Vincent van Gogh an. Seine ergiebigste Schaffenszeit hatte er von 1880 bis zu seinem Tod 10 Jahre darauf. Die allgemeine Theorie ist, dass er ein Nervenbündel war und er sich erschoss. Geht man aber von einem Menschen aus, der all seine Sinne beisammen hatte und nur von seinem Arzt falsch behandelt wurde und liefert man den Spielern dafür auch Hinweise, wollen sie das Unabänderliche verhindern und entwickeln als Spieler Mitleid. Die Charaktere indes können nichts von dem Ende des Malers wissen, man spielt so Spieler- und Charakterwissen gegeneinander aus, was spannend sein kann.

Historische Personen über die wenig bekannt ist: Wer war zum Beispiel Charley Pemberton oder Joseph B. Strauss? Ersterer der Sohn des Coca Cola Erfinders John Pemberton, letzterer Ingenieur der Golden Gate Bridge. Über beide ist wenig persönliches bekannt, doch hätten sie sicher viel zu erzählen. Streut man NSCs ein, die vor ihrem Ruhm den Spielern begegnen oder die nur eine Nebenrolle in der Geschichte spielen und die zu ihrer Zeit nicht bekannt waren, sind es immer kleine Gimmicks. Man kann mit ihrer persönlichen Geschichte spielen, Pumberton trinkt nur Cola oder eben nie Cola… Inwieweit man sie nun in den Mythos einbaut ist dann auch abhängig von der Story. Es sollte natürlich auch nicht zu einer Inflation solcher NSC kommen, es sind Beispiele, wie man mal einen historischen NSC einbaut.

Sind die Charaktere allerdings mit einem entsprechendem Hintergrund angelegt, sind Berührungspunkte öfter vorhanden.

Bisherige Beiträge:

4 Gedanken zu „Historische NSCs“

  1. Die Idee mit der Wache finde ich schick, aber ich fürchte auch, dass man sich damit die Stimmung einer Kampagne durchaus vermiesen kann. Es passt zu den typischen DnD-Abenteurerrunden oder “Monster der Woche“, zu einer ernsthaften, länger laufenden Kampagne eher nicht.

    1. Naja, bei einer längeren Kampagne geht es durchaus, wichtig sind dann die Abstände des Auftritts. Denke da an “Red Hand of Doom” oder aktuell die Königsmacher wo sogar permanent im Lager die gleichen Wachen waren. Im späteren Verlauf kann man sie dann immer mal einbauen. Ist wie mit Salz, die Dosierung macht den Geschmack.

  2. Ach, stimmt, bei Kingmaker gab es einige nette Gespräche mit dem ersten Wachtrupp. Jedem eine kleine, individuelle Bsonderheit verpasst (einer sprach langsam, einer kaute Kautabak etc., so dass sie immer schon wußten, an wen sie gerade waren).

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