Die neue Version

Dies ist ein Beitrag zum Juni Karneval der Rollenspielblogs zum Thema Neue Version – was nun?. Den Einleitungsartikel findet man bei Zornhau. Im Forum der RSP Blogs ist hier der Thread.

 

The secret we should never let the gamemasters know is that they don’t need any rules.
Gary Gygax.

Was Gygax damit meinte, ist sicher nicht, dass es generell keine Regeln geben muss, sondern, dass man keine Regelwerke kaufen braucht. Alles was man benötigt ist Fantasie. Jede Gruppe von Rollenspielern kann sich ihre eigenen Regeln geben und damit glücklich spielen. Entscheidet man sich wie die meisten allerdings für ein Produkt, benötigt man eigentlich nur ein bis drei Bücher. Das Regelwerk wird mitunter in Spielerhandbuch, Spielleiterhandbuch und in Monsterhandbuch aufgeteilt, thats all. Viele zusätzliche Bücher sind Quellenbände oder enthalten optionale Regelungen. Hat man diese Bücher und genügend Fantasie, kann man damit spielen, bis sich das Papier auflöst.

Eine Notwendigkeit zum Umstieg auf neue Versionen ist eigentlich nicht nötig. Es ist meist nur ein neuer Anstrich, der dem System spendiert wird. Es gibt aber Gründe warum die neuen Produkte gekauft werden. Ein ganz banaler ist wohl, weil viele Rollenspieler Sammler sind und auch die neue Version in ihrem Regal stehen haben wollen. Ein anderer ist, dass die neue Version einige Schwächen des Vorgängers ausbügeln kann. Das wäre an sich kein Grund, da man mit Hausregeln eventuell bereits die gröbsten Schnitzer geglättet hat, aber schöner ist es schon, ein gebundenes Regelwerk, dass für einen passt, in den Händen zu halten, als eine Blattsammlung mit eigenen Hausregeln. Ein weiterer nicht unerheblicher Grund mag der sein, dass die Regelwerke schlicht nicht mehr erhältlich sind. Dies war der Grund, warum wir von D&D 3.5 auf 4 gewechselt sind. Kommen neue Spieler in die Gruppe ist es zwar eine Zeit lang ganz ok die Regelwerke hin und her zu zu tauschen, auf Dauer kann es aber auch nervig werden.

D&D 4 hielt bei uns allerdings nur einige Wochen. Dies war kein leichter Anstrich, sondern eine Sanierung und wir hatten wenig Lust ein neues System zu spielen. Wohl oder Übel entschieden wir uns wieder zu 3.5 zurück zu kehren. Obwohl, es war keine Rückkehr zu einer Version, die wir nicht mochten, eigentlich liebten wir sie und haben D&D 4 vielleicht nie eine wirkliche Chance gegeben. Das Problem mit den Regelwerken bestand aber weiterhin. Pathfinder oder das so bezeichnete D&D 3.75 schloss die Lücke. Es war gut verfügbar, es änderte nichts grundlegend und beinhaltete für uns sinnvolle Anpassungen.

Der Umstieg erfolgte Stückweise. Auf die Lore spezifischen Änderungen gehe ich hier mal nicht ein, weil sie nicht bei einer normalen Versionsänderung vorkommen. Zu aller erst haben wir in der Gruppe besprochen, ob wir wechseln wollen, daraufhin erhielt der DM den Auftrag alles mögliche über das neue System/Version herauszubekommen. Als der erste Eindruck positiv war, wurden Spielerhandbuch und Spielleiterhanbuch gekauft und die wesentlichen Neuerungen vorgestellt. Für bestimmte Aspekte des Spiels gabs dann Übersichtstabellen, in denen die bisherigen Regeln den neuen Regeln gegenübergestellt wurden. Meines Wissens gibt es entsprechendes Material auch im Internet. Das Internet ist generell eine gute Anlaufstelle um sich über eine neue Version zu informieren. Viele Verlage bitten kleine pdf-Dateien an, in denen die Neuerungen vorgestellt werden. Alles weitere ergab sich während des Spielens. Eine neue  Version ist kein neues System, in den meisten Fällen zumindest nicht, insofern reicht es eigentlich aus, wenn sich einer über die Version informiert und die anderen darüber unterrichtet. Diese lesen dann die für sie relevanten Stellen nach. Übersichten und Handouts sind dann ein Schmankerl und immer gern gesehen.

Das Anpassen einer laufenden Kampagne kann da allerdings schon schwerer sein. Ist es ein Buch-Abenteuer ist meine persönliche Erfahrung: Finger weg! Es bedarf für den DM zu viel Arbeit ein laufendes Abenteuer anzupassen, sofern die Regelneuerungen zum Beispiel das Kampfsystem betreffen. Eine laufende D&D 3.5 Kampagne auf D&D 4 zu transferieren endete damit, dass die Kämpfe entweder zu leicht oder zu schwer geworden sind oder die Gegner einfache Sandsäcke waren, die nur runter geprügelt werden mussten. Das lag nicht am System, sondern daran, dass der DM die Änderung unterschätzte. Eine selbst geschriebene Geschichte ist vielleicht leichter abzuändern, mein Rat ist aber: während einer Kampagne nicht die Version zu wechseln. Ausnahmen mögen hier neverending-Storys sein, bei denen man einen Schnitt macht. Hinzu kommen auch die Werte und Gegenstände der Charaktere, die sich grundlegend ändern können.   Es ist sauberer mit neuen Charakteren neu anzufangen. Dies betrifft insbesondere Systeme die auf Charentwicklung, Talenten und Fertigkeiten Wert legen und hier Änderungen vornehmen. Alternativ kann man  in D&D 4 einen Stufe 16 Magier erschaffen um einen Stufe 16 Magier aus 3.5 zu tauschen. Die Guides die Talente und Fertigkeiten durch Übersichten einfach anpassen lassen sollen, halte ich für weniger geeignet, weil sie einfach nur Werte übertragen und bestimmte Überlegungen bei den Stufenaufstiegen außer Acht lassen, Konsequenz könnte sein, dass man seinen eigenen Charakter nicht mehr kennt und den Spielspaß verliert.

Bisherige Beiträge zum Karneval:

Und hier noch ein Nachtrag von d6ideas zur neuen Version von „Beutelschneider“: Nach der Auktion
Auch Sprawldogs legt noch nach mit Luft für Neues.


3 Gedanken zu „Die neue Version“

  1. Ich habe dich mal in den verlinkten RSP-Blogs-Forumsthread eingetragen.

    Ansonsten: Der Punkt mit der fehlenden Notwendigkeit zum Editionswechsel ist genau der, weshalb ich mir immer denke „Macht doch nix?“, wenn das Zetern und Klagen einsetzt weil ein Spiel keine neue Edition bekommt/nicht mehr verlegt wird.
    (Wobei das mit den Schwierigkeiten für neue Spieler natürlich auch stimmt, aber oft gibt es ja einen entsprechenden Sekundärmarkt.)

    1. Danke, habe es gestern total vergessen zu posten 😉

      Richtig, den Sekundärmarkt gibt es, aber selbst die Grundregelwerke sind meist unerschwinglich. Ein Aspekt sind da die pdf-Dateien. Einmal vom Verlag erstellt, sind sie eigentlich immer zu haben, auch wenn die Printausgabe bereits vergriffen ist. Es gibt ja auch Rollenspiele deren Regeln frei verfügbar sind und lediglich Module gekauft werden müssen, diese werden zwar auch mal editiert, aber prinzipiell sollten alle Versionen erhalten sein und wenn auch nur im Netz. Daneben sind SRD-Seiten auch nicht zu verachten. Pathfinder hat eine vorbildliche Regelseite, die man glaube ich auch spiegeln kann, dass weiß ich aber nicht zu 100%, meine es aber dort mal gelesen zu haben.

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